Gauwallfahrt auf den Hohen Peißenberg

Ein eindrucksvolles Bild boten die zahlreichen Trachtler des Lechgaus bei ihrer traditionellen Wallfahrt auf den Hohenpeißenberg. Sie hatten sich, wie jedes Jahr, auf den Weg gemacht, den Rosenkranz betend die Wallfahrtskirche Maria Himmelfhart auf dem Bayerischen Rigi zu erreichen. Um dort gemeinsam einen feierlichen Gottesdienst zu feiern, der eine Überraschung bereithielt.Demut, Dankbarkeit und Bodenständigkeit standen im Mittelpunkt der Messfeier, die von Peitings Pfarrer und Hausherren der Kirche, Robert Kröpfl, und seinem Amtsbruder Josef Fegg aus Rottenbuch zelebriert wurde. „Unser Land is gsegnet vom Herrn, niemals derfdes vergessn wern.“ Eine gereimte Predigt im Dialekt? Rottenbuchs Pfarrer Josef Fegg wagte das Experiment- und es gelang großartig. Metrisch gekonnt, regte aber vor allem derInhalt zum Nachdenken an. Und an manchen Stellen zum Lachen. Die Aufmerksamkeit eines Jeden in der voll besetztenWallfahrtskirche war ihm jedenfalls gewiss. Für diese wunderbare Predigt gab es sogar anschließenden Applaus –auch eher ungewöhnlich bei einem Gottesdienst.Im Anschluss wurde traditionell die Gaustandarte übergeben, diezu besonderen Anlässen getragen wird. Die Illachtaler Rottenbuch, die auch die Messe sehr schön musikalisch gestaltet und vorbereitet hatten, überreichten sie an den Trachtenverein Schloßbergler Schongau. Den ersten Einsatz hat die neue Fahnenabordnung bereits am kommenden Wochenende beim Huosigaufest in Geltendorf.

 
 

Jugendbildungsmaßnahme in der Langau

Die Trachtler-Jugend im Lechgau gibt nicht nur bei den Festzügen ein wunderbares Bild ab, sie sind auch ein ganz netter und lustiger Haufen. Das bewiesen sie einmal mehr bei der diesjährigen „Jugendbildungsmaßnahme“ in der Langau. So sperrig der Begriff vielleicht daherkommen mag, so locker und griabig ist die Veranstaltung. Sechs Tage lang hatten 32 Jugendliche aus dem gesamten Lechgau eine Mordsgaudi – aber sie lernten auch viel in dieser Zeit.

Die neun Betreuer hatten ein spannendes, lustiges und auch anspruchsvolles Programm zusammengestellt. So kamen die Jugendlichen zwischen 13 und 17 Jahren nicht nur in den Genuss einer Verkehrserziehung, sie besichtigten auch ein Sägewerk und einen Blockhaus-Betrieb. Zudem wurden sie in die Geheimnisse des Rosenkranzes eingeweiht bei einer kurzen Fußwallfahrt zur angrenzenden Wieskirche. Aufgelockert wurde das Programm durch viele Spiele und Quizze, eine Floßfahrt auf dem Lech, eine Radtour und gemeinsame Abende am Lagerfeuer, an denen natürlich auch Volkslieder gesungen wurden. Gelebte Tradition!

 

96. Lechgaufest in Schongau

Vier Tage lang war Schongau fest in der Hand der Trachtler, die das 96. Lechgau-Trachtenfest feierten. Mit einem wunderbaren Eröffnungsabend begann das Gaufest. Über 800 Gäste fanden den Weg ins Festzelt an der Lechuferstraße, und erlebten mit dem Trachtenverein Schloßbergler Schongau viele Stunden echtes, gelebtes bayerisches Brauchtum. Zum traditionellen Boarischen Tanz spielten die „Brauhaus Musikanten“ und die „Schwindlig Blos“ abwechselnd schneidig auf, und die Goaßler aus Steingaden sorgten für beste Unterhaltung.

Offiziell wurde das Lechgau-Trachtenfest am Samstagabend mit einem großartigen Standkonzert auf dem Marienplatz eröffnet. Laut hallte es innerhalb der Stadtmauern, als die Stadtkapelle Schongau, die Musikkapelle und der Trommlerzug aus Rottenbuch mit den Trachtlern in Schongaus guter Stube einzogen. Zusammen mit zahlreichen Gästen ging es danach ins Festzelt zum traditionellen Heimatabend, bei dem die Vereine des Lechgaus zeigten, was für schneidige Plattlergruppen sie haben. Den Auftakt machten natürlich die Schloßbergler, die alles aufboten, was der Verein zu bieten hat: Zum wunderbaren „Vindobona-Marsch“ der Stadtkapelle Schongau, gesanglich unterstützt vom Schloßbergler Männerchor, zeigten die Jugend und die Aktiven der Plattlergruppe einen einzigartigen Auftanz, der die Gäste begeisterte, wie der lang anhaltende Applaus bewies. Auch die Gruppen der Lechgau-Vereine hatten sich alle mächtig ins Zeug gelegt und boten eine großartige Vielfalt an Tänzen und Plattlern, von der „Miesbacher Mühle“ und dem Gamssprung bis hin zum Radtanz und dem „Lechgauer“ der Gaugruppe. Mit dem beeindruckenden Kronentanz mit 16 Paaren der Schloßbergler endete der offizielle Teil des Abends.

Der Höhepunkt eines jeden Gaufests ist der Festsonntag. Bei allerbestem Gaufest-Wetter begann der große Tag mit einem festlichen Gottesdienst auf dem Marienplatz. Beeindruckend vor dieser Kulisse mit dem wunderschön geschmückten Altar. Der große Festzug, mit 41 Trachtenvereinen, 21 Musikkapellen, sieben Trommlerzügen und 13 liebevoll geschmückten Festwägen, lockte zahlreiche Besucher an und bot ein wirklich gigantisches Bild.

Mit einem fulminanten „Gaufestmontag“ endete das 96. Lechgau-Trachtenfest in Schongau.

Über 2000 Besucher aus nah und fern kamen in den Abendstunden ins Festzelt an der Lechuferstraße, angezogen von dem super zusammengestellten Programm mit der grandiosen „Kapelle So&So“, einem Trachtenmarkt mit über 30 hochwertigen Ausstellern und feinem Kesselfleisch.

Eineinhalb Wochen lang hat wirklich jeder Schloßbergler mit angepackt, Jung und Alt, Aktive und Passive und die Eltern der Plattlerjugend. „Ich kann es gar nicht in Worte fassen, wie dankbar ich allen bin, die dazu beigetragen haben, dass wir vier Tage lang ein so großartiges Trachtenfest feiern konnten“, strahlte Vorstand Markus Wölfle. „Die Stimmung war immer spitze, alle waren gut drauf, das Wetter hat gepasst, jeder Tag war ein Höhepunkt für sich. Es war einfach perfekt.“

 
 

Gaujugendtag der Lechgaujugend

Die Tradition im Lechgau lebt. Der beste Beweis dafür ist jedes Jahr wieder der Gaujugendtag, der heuer in der Auerberghalle abgehalten wurde.

Bereits zum 51. Mal trafen sich dort die Kinder und Jugendlichen der Lechgau-Vereine und zeigten die verschiedensten Volkstänze. Sternpolka, Kreuzpolka, mit und ohne Plattler, aber auch seltene Tänze wie der Bandltanz und der Bankler wurde vom Trachtler-Nachwuchs auf die Bühne gebracht. Immer unter dem großen Applaus der vielen Zuschauer. „Was gibt es Schöneres, als junge Menschen für die Trachtensache begeistern zu können“, freute sich Gauvorstand Franz Multerer über die starken Jugendgruppen. Und: „Viele von jenen, die vor etlichen Jahren selbst auf der Bühne standen, sind heute im Publikum. Aber auch ganz viele, die bis jetzt noch nichts mit der Trachtensache zu tun hatten, und dennoch ihre Kinder zu uns bringen. Des gfreit mi narrisch, dass ihr uns vertraut, und ich versichere euch, dass sie bei uns gut aufgehoben sind.“

Ausrichter des 51. Gaujugendtags war der Trachtenverein „König Ludwig II“ aus Burggen, der dafür sorgte, dass auch abseits der Bühne viel geboten war. Mit lustigen Spielen, einem reichhaltigen Kuchenbuffet und zünftiger Musik von der Kanapee-Musi aus Hohenpeißenberg wurde dieser Tag zu einem rundum Wohlfühlpaket, bei der die jungen Trachtler jede Menge Spaß hatten, und sich besser kennenlernen konnten. Ganz im Sinne der guten, bayerischen Tradition.

 
 

Gausingen in Stoffen

Im Lechgau ist die Volksmusik daheim. Das stellten 13 Gruppen aus acht Vereinen beim Gausingen und –musizieren in Stoffen-Lengenfeld eindrucksvoll unter Beweis. Ein schöner Abend für alle, die echte, traditionelle Volksmusik lieben.

„Wo gibt´s denn sowas?“, fragte Volksmusikwartin Brigitte Strunz die knapp 200 Besucher und Musikanten in der Mehrzweckhalle. „So eine riesige Palette an allem, was Volksmusik zu bieten hat, mit ganz jungen Musikanten und vielen Felsen.“ Zweieinhalb Stunden durften sich die Besucher an den vielfältigen Darbietungen der Gruppen erfreuen, und kamen dabei voll auf ihre Kosten, denn es war wirklich für jeden Geschmack etwas dabei. Wunderbar ruhige Saitenmusik brachten die Hausmusik Auer, die Zithermusi aus Böbing, die Goldstein-Musi aus Peiting und, mit Querflötenunterstützung, die Würflmusi aus Reichling zu Gehör.

Richtig schneidige Blasmusik gab es von den Dorfmusikanten aus Burggen, den jungen Hollbuaba aus Stoffen, den Weisenbläsern aus Epfach und natürlich der Lechgaukapelle.

Den starken gesanglichen Part übernahmen die beiden Männerchöre aus Schongau und Peiting mit ihren eindrucksvollen Stimmen, sowie der Männerviergsang aus Peiting, der an diesem Abend allerdings krankheitsbedingt nur zu Dritt angetreten war. Ein ganz besonderes Schmankerl hatte der Schönach-Dreigsang aus Hohenfurch im Gepäck: Begleitet an Ziach und Gitarre gaben sie eigens auf den Lechgau gedichtete Gstanzl zum Besten, die den Gästen die Lachtränen in die Augen trieben und für tosenden Applaus sorgten. Ebenfalls einen Angriff auf die Lachmuskeln startete Maria Schweiger aus Epfach, die „Institution in der Mundartdichtung“, wie sie trefflich von Strunz vorgestellt wurde, mit ihren lustigen Geschichten und Gedichten.

Mit den Alphornbläsern aus Thaining endete der offizielle Teil des Gausingens und -musizierens. Doch heimgehen wollten die meisten Besucher nach diesem traditionell schönen und unterhaltsamen Abend noch lange nicht. Musikalisch umrahmt von der Lechgaukapelle wurde noch lange zusammen geratscht und gelacht. Wer nicht dabei war, hat wirklich was verpasst.

 

Aktivpreisplattln in Peiting

Das Preisplatteln des Lechgaus verliert nicht an Attraktivität. Jedes Jahr stellen sich Mädla, Buam und Gruppen den gestrengen Augen der sechs Wertungsrichter. Und dass man dafür nie zu alt ist, dass Platteln und Drehen immer Spaß macht, bewiesen auch acht Trachtler des ausrichtenden Vereins „Alpenrose“ Peiting in der Schloßberghalle, die für eine handfeste Überraschung sorgten.

Seit 1910 gibt es das Preisplatteln im Lechgau, allerdings zuerst nur für Gruppen. Erst ab 1925 wurden die Einzelwertungen eingeführt, die bis heute unter genau festgelegten Bestimmungen abgehalten werden. Fängt der Bua seine Tänzerin sauber ein? Schlägt und stampft er gleich und nicht zu leicht? Dreht das Dirndl ordentlich am Kreis? Schaukelt die Rockglocke auch nicht? Sind beide im Takt und haben eine saubere Tracht? Jeweils drei Wertungsrichter schauen mit Argusaugen auf jedes noch so kleine Detail beim Platteln und Drehen. Am Ende steht eine Liste mit gemachten Fehlern und einer Gesamt-Haltungsnote. Addiert ergibt es das Ergebnis.

Keine leichte Aufgabe, bei 165 Teilnehmern in sechs Altersklassen. Und dieses Mal ging es sehr eng her, besonders bei den ersten Plätzen. In drei Altersklassen wurde der erste Platz durch die Losnummer entschieden. Das passiert, wenn mehrere Teilnehmer die gleiche Wertung haben. So geschehen bei den Mädla Aktiv I. Hier hatte Vroni Strunz aus Böbing die Nase vorn, weil sie 40 Losnummern vor der Zweitplatzierten Regina Thiel aus Peiting gezogen hatte. Noch enger war es bei den Buam derselben Altersklasse: Die vier Erstplatzierten hatte allesamt eine Wertung von 7/0. Auch hier verhalf das Losglück Andreas Nöß aus Steingaden zum Sieg, vor Christian Kaindl aus Hofstetten und Florian Thiel aus Peiting. Max Multerer aus Peiting musste sich mit der Losnummer 123 mit dem vierten Platz begnügen. Mehr Glück hatte da sein Bruder Franz in der nächsten Altersklasse, der sich nicht nur die Traumnote 3/0 erplattelte, sondern mit seinem besseren Los Johannes Linder aus Hohenfurch auf den zweiten Platz verwies. Bei den Mädla Aktiv II war die Sache klarer: Hier siegte Rita Horn aus Schongau mit einer Wertung von 6/0 vor Verena Multerer aus Peiting (7/1).

Die super Stimmung während des Preisplattelns erreicht jedes Mal ihren Höhepunkt, wenn die Gruppen dran sind. Heuer stellten sich 21 Gruppen aus zwölf Lechgau-Vereinen der Wertung. Darunter eine ganz besondere: Unter dem Namen „Peiting Klassik“ traten, zehn Jahre nach ihrem letzten Auftritt, noch einmal Birgit Multerer, Annelies Schamper, Monika Pössinger, Marianne Baab, Franz Multerer, Robert Schmid, Georg Multerer und Norbert Schelle unter die Augen der Wertungsrichter. Sie waren in ihrer aktiven Zeit oft Maß aller Dinge, und sie haben offensichtlich nichts verlernt. Mit einer richtig schneidigen Vorstellung belegten sie am Ende den verdienten fünften Platz. Hinter der erstplatzierten jungen Gruppe der „Alpenrose“ Peiting, die teilweise aus Kindern der „Klassiks“ besteht, der zweitplatzierten Gruppe der „Schloßbergler“ Schongau, „Almfrieden“ Steingaden I belegte den dritten und die „Schwalbenstoaner“ Hohenfurch I den vierten Platz.

Mit schönen Preisen, leckeren Geschenkkörben und bester Laune verließen die Trachtler am frühen Abend die Schloßberghalle. Und bestimmt mit ein bisschen Vorfreude auf das nächste Preisplatteln in Schongau.

 
 

Frühjahrsvorplattlerprob in Rottenbuch

Ein ungewöhnlicher Termin steht bei allen Plattlern des Lechgaus heuer im Terminkalender. Diesen erläuterte Gau-Vorplattler Florian Schamper bei der diesjährigen Frühjahrs-Vorplattlerprobe in Rottenbuch.

Die Plattler wollen ins Guinessbuch der Rekorde. Und zwar am 30. Mai in Antdorf im Rahmen der Antdorfer Festwoche. Das hat sich der dortige Trachtenverein „Waxnstoaner“ ausgedacht, denn den derzeitigen Rekord halten Österreicher! Und der liegt bei 1296 Burschen, die fünf Minuten geplatteln haben. „Da können wir vom Lechgau doch die Antdorfer unterstützen“, wirbt Schamper für die Veranstaltung. Denn genug schneidige Plattler gibt es definitiv im Lechgau, und auch die Ambosspolka dürfte kein Problem sein. Die Voraussetzungen sind: Vereinstypische Tracht und man muss einigermaßen platteln können (keine Altersgrenze), denn ein Aussetzer würde den Rekord gefährden. Also keine Spaß-Teilnehmer.

Doch die findet man im Lechgau sowieso nicht, denn dort gibt es in allen Vereinen gute Plattler und Dreherinnen. Und dass dies auch die nächsten Jahre so bleibt, wird viel in die Jugendarbeit und die Platterproben investiert. Die Ergebnisse kann man beim beispielsweise am Sonntag, 5. Mai, in der Peitinger Schloßberghalle sehen, denn da treten ab 9 Uhr die Aktiven der Lechgau-Vereine zum jährlichen Preisplatteln an. Zuschauer sind herzlich willkommen.

 

Passionssingen in Rott

Innehalten, nachdenken, erkennen und genießen. Das Passionssingen des Lechgaus in der Kirche „Heilige Familie“ in Rott verdient das Prädikat: Außergewöhnlich schön.

Nach vielen Jahren gab es wieder ein Konzert in der Passionszeit im Lechgau. Und wie die Veranstalter des Trachtenvereins „D´Rottbachtaler“ Rott, und vor allem die beteiligten Musik- und Gesangsgruppen das einstündige Programm bestückten, war einfach nur wunderbar. Und das, obwohl das traditionelle Liedgut, das zur österlichen Bußzeit passt, bekanntlich keine leichte Kost ist. „Die Lieder beschreiben die Grausamkeit des Leidens und Sterbens Jesu“, führte Georg Seidenspinner die Zuhörer in der voll besetzten Kirche an das heran, was nun dargeboten werden würde. Doch sollte das Passionssingen nicht deprimieren, oder gar traurig machen: Nein. Seidenspinner verstand es, mit seinen Texten eines Gottessuchenden im fiktiven Dialog mit Jesus, das Leiden der Passion zu einem tröstlichen Erkennen des Selbst werden zu lassen. „Gerade die Passionszeit bietet uns die Möglichkeit, über unser eigenes Leben nachzudenken, auch wenn das manchmal unangenehm ist.“ Innehalten, hinschauen, aushalten und verstehen. Das legte Seidenspinner allen ans Herz. Und im Einklang mit der wunderbar ruhigen Musik gelang das auch.

Leise und getragen, aber mit drei glasklaren Stimmen und Seidenspinner an der Zither nahm der Buchwies G´sang die Suchenden mit zum Ölberg und „Vor deinem Kreuz“. Der Böbinger Männerchor beeindruckte mit ganz starken Stimmen und einer ausgezeichneten Darbietung seiner Liedauswahl, wie „Für mich nahmst du das Kreuz“ - einer der vielen Momente, die tief unter die Haut gingen. Kongenial wurden die gesanglichen Vorträge durch instrumentale ergänzt. Das Klarinettentrio der Lechgaukapelle, begleitet von Irmi Barnsteiner an der Harfe, intonierte wunderbare andächtige Weisen. Ebenso wie die Lechreiner Musikanten, die mit zwei Zithern und Gitarre automatisch dafür sorgten, dass man ganz ruhig wurde. Auch im Herzen.

Das war ein Passionssingen, wie man es besser nicht machen kann. Ein musikalischer Hochgenuss mit ganz viel Raum für eigene Gedanken. Nachhaltig.

 
 

Frühjahrsgauversammlung in Seestall

Die neue Satzung des Lechgaus ist endlich durch: Den positiven Bescheid verkündete Gauvorstand Franz Multerer stolz bei der Gau-Frühjahrsversammlung, die heuer in Seestall abgehalten wurde. Und auch Neuigkeiten von der Landesausschussitzung in Raubling hatte Multerer im Gepäck. Hier gab es allerdings nicht nur Positives zu berichten: Große Sorgen bereitet den Trachtlern in ganz Bayern der stetige Mitgliederschwund. 41 Vereine haben sich demnach in letzter Zeit komplett aufgelöst, knapp 4000 Trachtler sind dadurch vereinslos. Im Lechgau stehe man man vergleichsweise gut da – manche Vereine wachsen sogar, andere verzeichnen zumindest keinen, oder nur einen sehr geringen Verlust an Mitgliedern.

Und damit das auch so bleibt, oder sogar noch besser wird, war und ist man im Lechgau sehr aktiv und mit Herzblut dabei. Das zeigten unter anderem die Berichte der Sachgebietsleiter. Gerade in der Jugendarbeit tut sich gerade viel (wir berichteten), wie Gau-Jugendleiter Georg Multerer noch einmal betonte. Allein das neue Logo der Bayerischen Trachtenjugend rief etwas Verwunderung unter den 114 Anwesenden hervor: Stilisiertes Trachtler-Paar oder arabische Schriftzeichen? Doch vielleicht muss man manchmal neue, unkonventionelle Wege beschreiten und dann sehen, was daraus wird. Auch in der Volksmusik wird fleißig gearbeitet, Volksmusikseminare abgehalten, jährlich drei traditionelle Singen organisiert und über neuste GEMA-Richtlinien informiert. Die Brauchtumswarte aller bayerischen Gaue haben gemeinsam eine Bibliothek über Bräuche und Traditionen erstellt, auf die auch Lehrer zugreifen können, um Brauchtum an Schulen zu fördern – ganz im Sinne des derzeitigen Trends, Dialekt in die Lehranstalten zu bringen.

Die Plattlergruppen der 19 Vereine des Lechgaus fiebern nicht nur dem Preisplatteln am 5. Mai in Peiting entgegen: Vorplattler Florian Schamper rührte auch ordentlich die Werbetrommel für den Weltrekordversuch des Trachtenvereins „D´Waxnstoaner“ Antdorf, der am 30. Mai versuchen will, den aktuellen Rekord von 1296 Burschen beim gemeinsamen Plattler zu toppen. Und natürlich steht das 96. Lechgau-Trachtenfest in Schongau ganz oben auf der Liste der Höhepunkte in diesem Jahr. Schloßbergler-Vorstand Markus Wölfle stellte das fertige Programm vor, das heuer über vier Tage geht: Vom 12. bis zum 15. Juli. Nach dem Boarischen Tanz am Freitag, dem Heimatabend am Samstag, dem Festsonntag mit Gottesdienst und großem Festzug durch die Altstadt, hängen die Schongauer einen „Gaufestmontag“ dran, mit Trachtenmarkt, Kesselfleischessen und der bekannten Kapelle So&So bei freiem Eintritt.

„Nur mit schönen und offenen Veranstaltungen können wir zeigen, was wir machen, wofür wir uns einsetzen, woran unser Herzblut hängt, und dadurch auch für uns werben“, bekräftigte Gauvorstand Franz Multerer. Damit der Weg im Lechgau weiterhin positiv beschritten wird.

 

Stillerhofseminar

Zwei Tage lang neue Leute kennenlernen, zusammen eine Mordsgaudi haben und ganz viel gemeinsam musizieren: Seit vielen Jahren ist das Volksmusikseminar des Lechgaus im Stillerhof bei Wessobrunn ein beliebter Termin bei den jungen Trachtlern. Und gelernt wird dort auch eine ganze Menge.

34 Kinder aus neun der 19 Vereine des Lechgaus reisten mit Sack und Pack und vor allem ihren Instrumenten an, um abseits des „normalen“ Musikunterrichts etwas Neues, und doch traditionelles zu wagen. 14 junge Betreuer aus dem Lechgau, dem Chiemgau und dem Oberen Lechgau übten in elf Gruppen Walzer, Landler, Märsche und auch Passionsweisen mit den Kindern ein. Und sie waren alle, von der Fünfjährigen bis zum 18-Jährigen, mit Begeisterung dabei. „Es hat ganz viel Freude gemacht mit den Kindern zu arbeiten. Das war eine total harmonische Truppe und alle waren voll motiviert“, lobte die Volksmusikwartin des Lechgaus, Brigitte Strunz, die Teilnehmer. Zusammen mit Marianne Baab hatte sie das Seminar organisiert, und auch neben den Übungseinheiten ein tolles Programm zusammengestellt. Beim gemeinsamen Singen, dem lustigen Gau-Quiz und einem griabigen Hoagart lernten sich die Kinder der verschiedenen Vereine gegenseitig kennen und hatten eine riesige Gaudi miteinander.

Beim Gottesdienst mit Diakon Hans Steinhilber durften sie dann ein erstes Mal zeigen, was sie gelernt hatten, denn natürlich gestalteten die Kinder die Messe musikalisch. Auch dies sei ein Eckpfeiler der Trachtensache, wie Steinhilber betonte: „Die Verbindung und gegenseitige Unterstützung zwischen Trachtlern und Kirche ist eine ganz wichtige“, hob er in seiner Ansprache hervor, und lobte die Kinder für ihr Engagement.

Gegen Ende des Seminars machte sich langsam, vor allem bei den kleineren Teilnehmern, Nervosität breit. Denn das traditionelle, abschließende Vorspiel stand bevor. Zahlreiche Eltern, Großeltern und Geschwister strömten in den kleinen Saal und warteten gespannt darauf, was ihre Kinder zu Gehör bringen würden: Und das war eine großartige, abwechslungsreiche Mischung aus der gesamten Palette der Volksmusik. Und wenn doch einmal ein Ton daneben ging, wurde kurz gelacht und weitergemacht – und immer stürmischer Applaus eingeheimst. Denn das macht das Seminar aus: Ohne Druck und mit begeisternder Freude lernen die kleinen Trachtler hier nicht nur ihr Instrument besser zu beherrschen. Sie lernen vor allem neue Freunde kennen, genießen die Gemeinschaft und tanken ganz viel Selbstbewusstsein.

 

Jugendleiterschulung im Lechgau

Was sind die Aufgaben eines Jugendleiters? Was muss er rechtlich beachten, wie kann er seine Kinder und Jugendlichen motivieren? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Grundschulung der Jugendleiter des Lechgaus in Steingaden.

Als Unterstützung hatten sich die Ausrichter die Referentin der Bayerischen Trachtenjugend, Stephanie Perfler aus dem Inngau ins Boot geholt. An drei Tagen erklärte sie den 26 Teilnehmern, die größtenteils gerade selbst erst der Jugendgruppe ihrer jeweiligen Vereine entwachsen sind, auf was es bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit ankommt. Als Grundvoraussetzung sei hierbei ein gewisses Organisationstalent genauso wichtig, wie die Freude, mit Kindern zu arbeiten. „Denn eine gute Jugendarbeit Jugendarbeit ist die Wurzel eines jeden Vereins. Ohne sie gibt es auch irgendwann keine Trachtenvereine mehr“, stellte Perfler die Wichtigkeit dieser Aufgabe heraus.

Doch was können die Jugendleiter neben gut organisierten Plattlerproben den Kinder noch bieten, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken und Spaß an der Trachtensache zu wecken? In Arbeitskreisen wurden hierzu tolle Ideen entwickelt, die von gemeinsamen mehrtägigen Ausflügen, Überraschungen bei den Plattlerproben, einem Ferienprogramm mit Basteln oder Goaßl-Crashkurs, bis hin zu regelmäßigen Besuchen an Ganztagesschulen reichten. Neben vielfältigen Aktionen für die Kleinen dürfe man aber auch die Eltern nicht aus dem Blick verlieren. Mit ihnen müsse man zusammenarbeiten, sie bestenfalls in die Vereinsarbeit einbinden, und  vor allem immer den persönlichen Kontakt wahren.

Um all das in die Tat umsetzen und durchführen zu können, stellte Perfler auch verschiedene Förder- und Unterstützungsangebote vor. Und sollten doch einmal Fragen und Probleme auftauchen, gibt es kompetente Stellen, an die sich die Jugendleiter wenden können – beispielsweise an die zuständigen Gau-Jugendleiter oder an Armin Schmid, den Landesjugendvorstand.

Mit ganz vielen Ideen und Handwerkszeug im Gepäck nahmen die jungen Jugendleiter nach dem Kurs wieder ihre Arbeit in den Vereinen auf. Eine der wichtigsten in jedem Vereinsleben.

 
 

Tagung der bayerischen Trachtenjugend im Lechgau

Wie gewinnt man Kinder für die Trachtensache, und was kann man den Nachwuchs-Trachtlern als besondere Schmakerl zusätzlich bieten? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des jährlichen Treffens aller Gau-Jugendleiter des Bayerischen Trachtenverbands, die heuer in Steingaden zusammenkamen.

Zwei Tage lang rauchten die Köpfe der rund 60 Teilnehmer aus 22 Gauverbänden. Doch der Gedankenaustausch hat sich gelohnt! Am Ende des Treffens standen richtig gute Ideen und innovative Ergebnisse. So möchte man beispielsweise künftig noch mehr Werbung für die Angebote im Trachtenkulturzentrum Holzhausen machen, denn auch nach vier Jahren werden diese zu wenig genutzt. Derweil stellen die Verantwortlichen Jahr für Jahr ein abwechslungsreiches und interessantes Programm zusammen, von Bayerischen Tänzen bis hin zu handwerklichen Kursen wie Schnitzen oder Nähen. Eine Idee der Tagung war, einen Mundart-Wettbewerb in den Schulen zu starten, und den Gewinner-Klassen eine Übernachtung in Holzhausen als Hauptpreis in Aussicht zu stellen. Die Schulen möchte man auch anderweitig ins Boot holen, beispielsweise mit erweiterten Angeboten beim Heimat- und Sachkundeunterricht, die sich mit den Themen Brauchtum und Tradition befassen.

Auch die Kleinsten wurden beim Treffen der Jugendleiter nicht vergessen: So planen die verschiedenen Gaue jeweils individuell ein Mini-Buch zu entwerfen, das schon den Kindergartenkindern die Trachtensache näher bringen soll.

Und noch etwas Neues wird es bald geben: Ein eigenes Logo der Bayerischen Trachtenjugend! Das Emblem mit einem Trachtlerpaar wurde von einer Studentin im Zuge ihrer Bachelorarbeit entworfen, und soll ab 2020 auf allen Schreibunterlagen des Bayerischen Trachtenverbands abgedruckt werden.

Doch natürlich wurde an den zwei Tagen in Steingaden nicht nur gearbeitet. Die Jugendleiter des Lechgaus, Georg Multerer und Johanna Rieder, hatten ein schönes Rahmenprogramm zusammengestellt: Samstagabend ging es nach einem festlichen Gottesdienst in der berühmten Wieskirche zum griabigen Brotzeiten und ratschen in die Schönegger Käse-Alm. Und zum Abschluss saß man noch einmal zum gemeinsamen Essen im Karl-Eberth-Haus zusammen. Denn auch das ist ein Eckpfeiler der Trachtensache: Gemeinsam eine schöne Zeit zu haben, über die Gaugrenzen hinweg.

 
 

maskierter Jugendvolkstanz des Lechgaus

Da könnte sich manch erwachsene Maschkerer eine Scheibe abschneiden: Beim Maskierten Jugendvolkstanz des Lechgaus war die Tanzfläche immer voll. Da gab es kein fremdeln, wenn Polkas, Walzer oder Boarische von der kleinen Besetzung der Peitinger Trachten- und Knappschaftskapelle gespielt wurden, da wurde einfach getanzt was das Zeug hielt.

Knapp 200 Jugendliche aus dem gesamten Lechgau waren in Apfeldorf zusammengekommen, um einmal außerhalb der Trachten-Saison zusammen zu ratschen und zu feiern. Dirndl und Lederhose wurden gegen phantasievolle Kostüme getauscht, und so bevölkerten Rehe, Wilderer, Schlafmützen, Spielkarten, Bauarbeiter und Sportler den Saal - und vor allem die Tanzfläche. Diese wurde lediglich kurz geräumt, wenn eine der zahlreichen Einlagen angesagt war, wie beim Hohenfurcher Prinzenpaar, das einen Teil ihres Elferrats und vor allem die Minigarde im Gepäck hatte. Auch für den Auftritt der Mädelsgarde aus Apfeldorf machten die begeisterten Tänzer gerne Platz.

Auf die Lachmuskeln gab es von der Jugendgruppe der Epfacher, die in bester Feuerwehrkapellen-Manier auftraten, von der Apfeldorfer Jugend, die als Zwerge plattelten, und den jungen Gästen aus Steingaden, die den „Super Perforator“ aus dem „Schuh des Manitu“ auf die Bühne brachten. Die aktuellen Baustellen und Brückensperrungen hatten die jungen Plattler aus Reichling bei ihrer Einlage im Visier, inklusive einer modernen Version des Holzhackers. Zwischen den Einlagen und danach war wieder ganz viel Zeit, um das Tanzbein zu schwingen, entweder traditionell oder zur Stimmungsmusik der Peitinger – der Trachtenjugend ist das egal, denn sie können und wollen tanzen, und haben einfach Spaß dabei.

 

Vorständebesprechung in Schongau

Noch herrscht Ruhe in den 19 Vereinen des Lechgaus, doch schon bald geht es wieder rund. Genau die richtige Zeit, um sich auszutauschen, Vergangenes Revue passieren zu lassen und neue Ideen zu diskutieren. Dazu trafen sich bereits zum sechsten Mal die Vorstände der Trachtenvereine – heuer in Schongau im Trachtenheim auf dem Helgoland.

Im Mittelpunkt des Treffens standen die großen Gaufeste: Das im letzten Jahr in Peiting, und das in diesem Jahr in Schongau. Deshalb hatte der ehemalige Vorstand der „Alpenrose“ Peiting, Franz Thiel, auch das erste Wort. Ganz offen berichtete er davon, was gut gelaufen war, und wo er Verbesserungsbedarf sieht. Eine gute Grundlage und wertvolle Anregung für alle, die demnächst den Höhepunkt des Lechgau-Kalenders ausrichten, wie heuer Schongau und im nächsten Jahr Hohenfurch. Die eine oder andere Erfahrung wird demnach sicherlich auch in die Fest-Vorbereitungen des Trachtenvereins Schloßbergler Schongau einfließen, wie Vorstand Markus Wölfle betonte. Dieser stellte das Programm für das diesjährige Lechgau-Trachtenfest vor, das erstmals auch einen „Gaufestmontag“ beinhalten wird.

Auch Gauvorstand Franz Multerer nutzte die Chance, beinahe alle Vereinsvorstände an einem Tisch zu haben, um sich Meinungen zu verschiedenen Themen einzuholen. Eine wirklich gute Plattform, einmal im Jahr ganz ungezwungen und ehrlich zu diskutieren, Erfahrungen und Meinungen auszutauschen, um auch im neuen Jahr an einem Strang zu ziehen.