Absage Lechgaufest 2021 in Seestall

Die Planungen waren weit vorangeschritten: Festplatz, Festwirt, Brauerei, Schirmherr, Blaskapellen, und sogar Leihgaben wie Kaffeegeschirr und Bar – alles war in trockenen Tüchern. Doch aufgrund der aktuellen Lage und den nicht gerade positiven Aussichten auf eine Verbesserung, musste der Lechgau-Trachtenverband sein Gaufest auch für dieses Jahr absagen (wir berichteten). Zum zweiten Mal.

Die Leidtragenden sind dieses Mal, nach den „Schwalbenstoanern“ Hohenfurch im letzten Jahr, „D´Lechtaler“ Seestall. „Ich habe meinen Leuten schon gesagt, dass diese Entscheidung in die Geschichtsbücher eingehen wird, das hat es seit dem Krieg nicht mehr gegeben“, sagt der sichtlich geknickte Vorstand Sebastian Welz. Bis zum erneuten Lockdown im November wurde geplant. Sogar Flyer für das Fest im Juli wurden noch gedruckt. „Die Motivation war noch immer hoch“, weiß Welz. Doch dann: Keine persönlichen Treffen mehr, nur Video-Konferenzen. Regelmäßige Anrufe beim Gesundheitsamt dämpften die zarten Hoffnungen zusätzlich. Das setzt auch den härtesten Trachtlern zu. „Zuerst haben wir beschlossen, unsere Finanzen im Blick zu behalten, und keine großen Sprünge mehr zu machen“, beschreibt Seestalls Vorstand die Situation. Und es wurde von Woche zu Woche klarer, dass es wohl nix wird mit einer Großveranstaltung im Sommer. In Absprache mit Gauvorstand Franz Multerer musste Seestalls Festausschuss die Notbremse ziehen und das Gaufest absagen. „Wir waren den Tränen nahe.“

„Das ist so ziemlich das Schlimmste, was einem Verein passieren kann“, fühlt Franz Multerer mit den „Lechtalern“. Die viele Vorbereitung, die Vorfreude: Alles dahin. Zudem lastet die Unsicherheit, wie es längerfristig weitergeht, auf den Schultern des Gauvorstands: „Wann ist ein so großes Fest mit ein paar tausend Trachtlern überhaupt wieder möglich?“ Auch er hofft, wie wahrscheinlich viele Vereinsvorstände, auf baldige Entscheidungen der Politik, die eine gewisse Planungssicherheit geben. „Ich bin mir bewusst, dass das schwierig ist, da es sich um ein gefährliches Virus handelt und nicht um Willkür. Ich möchte gerade auch kein politisch Verantwortlicher sein“, gibt Multerer zu. Seine Hoffnung ist es, dass möglichst bald wenigstens kleine Treffen in den Vereinen wieder möglich sind, wie Plattler- oder Singproben. „Da wird sich dann auch zum ersten Mal zeigen, wie viele Mitglieder die Treue zu ihrem Trachtenverein halten.“

In Seestall wird der Trachtenverein auf jeden Fall noch lange im ganzen Dorf präsent sein, denn für das Gaufest haben sich knapp 100 Menschen ein Vereinsdirndl oder eine -weste schneidern lassen – und nicht nur Mitglieder. Vielleicht gibt´s im Sommer ja doch den einen oder anderen Anlass, das neue Gwand auszuführen. „Sobald es irgendwie geht, möchten wir eine Messe anlässlich unseres 100-jährigen Bestehens feiern“, hofft Sebastian Welz. Das würde sich auch Franz Multerer wünschen: „Die Lechtaler haben so viel Arbeit in die Vorbereitungen gesteckt, wofür ich sehr dankbar bin, das hätten sie sich echt verdient.“

 

Sterne vom Lechgau

Als „eine wunderbare Idee“ des Bayerischen Trachtenverbands befand Petras Schadt, Trachtenwartin des Lechgaus, das Projekt, Sterne für Altenheime zu basteln. Sie machte sich gleich mit Feuereifer an die Arbeit und konnte nun ihre kleinen Kunstwerke an Meike Vorwold (li.) vom Seniorenheim Vilgertshofen übergeben. „Es soll eine kleine Geste an alle älteren Mitmenschen sein, und auch an die Pflegekräfte, dass wir sie nicht vergessen haben“, erklärt sie ihre Intension. Das Lächeln, das Schadts Sterne auf die Gesichter gezaubert hat, kann man unter den Mund-Nasen-Bedeckungen leider nur erahnen.

 

Absage Gauwallfahrt

Die Wallfahrt des Lechgau-Trachtenverbands auf den Hohenpeißenberg, die für den 6. September geplant war, findet nicht statt. Nach Rücksprache mit Pfarrer Robert Kröpfl und dem zuständigen Pfarrverband Peiting/Hohenpeißenberg entschied Gauvorstand Franz Multerer, die Gauwallfahrt abzusagen. Wann die Standarte von Schongau an Seestall übergeben wird, bespricht der Gauausschuss bei seinem nächsten Treffen.

 

Festgottesdienst in Hohenfurch

Etwas kleiner als ursprünglich geplant, aber dafür umso intensiver im Gefühl: Mit einem feierlichen Gottesdienst im Talhof der Familie Nuscheler beging der Trachtenverein Schwalbenstoaner Hohenfurch sein 100. Jubiläum. Eigentlich wäre an diesem Tag, an dieser Stelle der große Festgottesdienst zum 97. Lechgau-Trachtenfest abgehalten worden. Doch auch im kleineren Rahmen wurde allen Anwesenden ganz festlich zumute, wich dem Gefühl des Bedauerns.

„Es ist schön, nach so langer Zeit wieder Trachten zu sehen und selbst zu tragen“, hörte man in vielen Gesprächen. Und auch Pfarrer Sebastian Schmid gefiel es: „Als gebürtiger Ost-Berliner hätte ich mir nicht vorstellen können, einmal hier in Oberbayern vor lauter Trachtlern einen Festgottesdienst abzuhalten“, meinte er mit einem Augenzwinkern. Dass sich der Pfarrer, auch wenn er selbst keine Lederhose tragen möchte, schon sehr gut ins bayerische Lebensgefühl eingefunden hat, bewies er bei seiner sehr guten, nachdenklichen, aber auch humorvollen Predigt. Zur feierlichen Stimmung trug auch die wunderbare musikalische Gestaltung durch den „Schönach-Dreigsang“ und die „Stoaröserl Musik“ bei.

Noch bevor sich Vorstand Franz Linder bei allen Beteiligten bedanken konnte, ergriff Bürgermeister Guntram Vogelsgesang das Wort. „Beim geplanten Festakt im Mai wolltest du, lieber Franz, viele verdiente Trachtler ehren. Nur eine Ehrung hattest du wohl nicht auf dem Schirm: Deine eigene!“, wandte sich Vogelsgesang an den völlig überraschten Vorstand. Einstimmig hatte der Gemeinderat beschlossen, Linder für sein „verdienstvolles Wirken für das Wohl und das Ansehen der Gemeinde“ mit der Hohenfurcher Bürgermedaille auszuzeichnen. Denn Linder stehe nicht „nur“ seit 26 Jahren den Schwalbenstoanern vor, er war zudem Vorplattler, Landjugend-Vorstand, Vize bei der Liedertafel und bei allem Organisatorischen in seinem Heimatdorf immer an vorderster Front. Sichtlich gerührt nahm Franz Linder Medaille und Urkunde entgegen. Ein schöner, und verdienter Abschluss eines Gottesdienstes, der so viel mehr war.

Dies betonte auch Gauvorstand Franz Multerer in seiner Ansprache: „Ich gebe zu, dass der Lockdown zuerst sogar ein bisschen Erleichterung war. Und dann fragt man sich unwillkürlich: Braucht es das alles eigentlich?“ Doch dann habe er, zum ersten Mal in diesem Jahr, am Morgen seine Tracht angezogen und ihm wurde klar: „Ja, das braucht es alles ganz dringend. Die Gemeinschaft, die Gesellschaft, die Traditionspflege. Das ist es alles zu hundert Prozent wert.“

 
 

Erstes Treffen im Gau seit Corona

Lange haben sich die Ausschussmitglieder des Lechgaus nicht getroffen. Einerseits, weil man nicht durfte, und andererseits, weil mit dem Lockdown auch wenig zu besprechen war, da alle Veranstaltungen abgesagt werden mussten. Mit den neuen Lockerungen war nun nicht nur eine Ausschusssitzung möglich, man sah auch vorsichtig optimistisch in die Zukunft.

„Eigentlich würden wir uns jetzt auf was anderes freuen und das planen“, bedauerte Gauvorstand Franz Multerer im Hinblick auf das abgesagte 97. Lechgau-Trachtenfest in Hohenfurch. Deshalb bat er auch zu Beginn der Sitzung vor dem Trachtenheim in Schongau alle Anwesenden zu berichten, wie es ihnen seit März in den Familien und den Vereinen ergangen war. Nur vereinzelt waren demnach Vereinsmitglieder erkrankt, die alle mittlerweile genesen sind. Die Vereinsarbeit läuft bei den meisten langsam an, vor allem die Chöre treffen sich fast alle wieder. Langweilig sei es aber niemandem gewesen, und ist es noch nicht. Auch wenn das Hauptaugenmerk und die dazugehörige Arbeit derzeit nicht auf der Trachtensache, sondern eher im Familienkreis liegt. „Meine Frau ist jetzt mein Arbeitgeber““, meinte Beisitzer Franz Linder schmunzelnd. Gerade ihn hatte die Corona-Krise besonders hart getroffen, da er „sein“ Gaufest quasi rückabwickeln musste. „Da war ich schon einmal zwei, drei Wochen beschäftigt.“

Neben dem Gaufest sind auch sämtliche Treffen der verschiedenen Fachgebiete des Gaus ins Wasser gefallen, sowie das Preisplatteln der Aktiven, die Frühjahrsversammlung und die geplante Trachtenausstellung. Und was ist mit den noch

anstehenden Terminen? „Mit der neuen Vorgabe von 200 Menschen, die sich draußen treffen dürfen, könnten wir eventuell eine Gauwallfahrt durchführen“, war Multerer vorsichtig optimistisch. Dann natürlich mit begrenzter Teilnehmerzahl, einem Feldgottesdienst und nur bei schönem Wetter. Bis Anfang August lassen sich die Verantwortlichen noch Zeit, um zu entscheiden. „Bis dahin passiert vielleicht noch was“, hofft Multerer auf weitere Lockerungen.

Definitiv nicht stattfinden kann das Jugend-Preisplatteln im Oktober dieses Jahres in Schongau. Und auch die festliche Messe mit anschließendem Frühschoppen in Rottenbuch Ende September, und das Treffen der Vorplattler sei unter der geltenden Regelung nicht vorstellbar. Unsicher ist zudem das Adventssingen in Epfach im Dezember. „Da müssen wir abwarten. Manches ist vielleicht auch kurzfristig durchführbar.“

Die Vereine und der Lechgau selbst planen also derzeit keine konkrete Veranstaltung. Alle Vereine? Nein. In Seestall wird nach wie vor das große Lechgau-Trachtenfest im nächsten Jahr vorbereitet. „Wir fahren zweigleisig und haben verschiedene Gedankenspiele durchexerziert“, verriet „D´Lechtaler“-Vorstand Sebastian Welz. Demnach könnte sich der Verein vorstellen, den Festsonntag mit kleinerer Teilnehmerzahl durchzuführen. Zudem habe man auch die eventuell zu dieser Zeit stattfindende, verschobene Europameisterschaft im Blick. Doch das ist alles Zukunftsmusik. Und dennoch ist es schön, wenn man sich wieder auf etwas freuen kann.

 

Jugendleitergrundkurs

Sie haben es geschafft: 22 Jugendleiter aus dem Lechgau haben erfolgreich ihren Grundkurs abgeschlossen. In zwei dreitägigen Blöcken, im letzten Frühjahr und heuer, wurden sie auf ihre wichtige Aufgabe in ihren Vereinen vorbereitet.
Die Referentin der Bayerischen Trachtenjugend, Stephanie Perfler aus dem Inngau, stellte auch im zweiten Teil interessante Themen vor, die die Jugendleiter ausarbeiteten. Im Mittelpunkt stand dabei unter anderem die Frage, wie die Vereine ein solides Fundament in der Jugend des Vereins aufbauen können. „Es ist wichtig, die Kinder ab der ersten Minute abzuholen“, stellte Perfler klar. Das könne ganz einfach dadurch passieren, dass man dem Kind in der ersten Probe ein Getränk holt, oder in einem Stuhlkreis die anderen kennenlernt. Wichtig sei zudem, dass man sich Jahr für Jahr einen Plan zurechtlegt, in dem man realistische Ziele festsetzt und gegebenenfalls mehrere Gruppen, je nach Leistungsstand, aufstellt.
Auch die Eltern dürfen dabei nicht außen vorgelassen werden, gerade wenn sie keine aktiven Trachtler sind. „Je mehr sie im Verein eingebunden werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch die Kinder dabeibleiben“, erklärte die Referentin. Denn nur dann sei es möglich, den Kindern die grundlegenden Werte der Trachtensache ans Herz zu legen: Gemeinschaft und Zusammenhalt zu erleben, und Brauchtum und Traditionen zu leben, zu erhalten und weiterzugeben.
Bei den frisch ausgebildeten Jugendleitern sind die Nachwuchs-Trachtler auf jeden Fall in den besten Händen, denn sie leben die Trachtensache mit viel Herzblut und Freude.

 

Jugendvolkstanz in Steingaden

Da musste man zweimal hinschauen: Normalerweise erkennt man die Jugendlichen des Lechgaus an ihren vereinstypischen Trachten. Doch im Fasching werden Röcke und Lederhosen gegen phantasievolle Kostüme getauscht. Beim traditionellen Maskierten Jugendvolkstanz stürmten Rocker, Wikinger, Geister, Piraten, Münchner im Himmel und sogar ein ganzes Lazarett die Tanzfläche.
Knapp 150 Jugendliche aus den Lechgau-Vereinen kamen in die toll geschmückte Turnhalle der Mittelschule in Steingaden. Denn heuer richtete der Verein „Almfrieden“ Steingaden die beliebte Veranstaltung in der fünften Jahreszeit aus. Und die Verantwortlichen hatten sich Einiges einfallen lassen. Unter dem Motto „Disney“ mussten die beiden Gau-Jugendleiter Johanna Rieder und Georg Multerer in verschiedenen Wettbewerben gegen die Steingadener Jugendgruppe antreten, wie beispielsweise einem „Aladdin“-Matratzenrennen oder einem „Susi und Strolch“-Gummi-Spaghetti-Essen. An der Bar gab es „Disney“-Cocktails, natürlich alkoholfrei, und auch die Halle war dem Thema entsprechend dekoriert. Ein Höhepunkt war auch der Auftritt der Schongauer Jugend-Garde, die mit ihrer Show begeisterten.
Doch natürlich kommen die meisten Jugendlichen aus einem Grund zu diesem Ball: Dem Tanzen. Wie begeistert der Trachtler-Nachwuchs bei der Sache ist, bewiesen nicht allein die 47 Paare, die beim traditionellen Auftanz mitmachten. Auch danach war die Tanzfläche immer voll, wenn die kleine Besetzung der Musikkapelle Steingaden, kurzerhand in „Maschgrer-Musik“ umbenannt, zünftig aufspielte. Ob Polka, Walzer oder Discofox: Die Trachtler können einfach tanzen und gemeinsam ganz viel Spaß haben.

 

Vorständebesprechung in Hohenfurch

Es ist der Höhepunkt im Kalender der Trachtler, und so war das Lechgau-Trachtenfest auch Hauptthema bei der diesjährigen Vorständebesprechung des Lechgaus. Traditionell findet das Treffen zum Jahresbeginn dort statt, wo das nächste Gaufest ausgerichtet wird. Heuer also in Hohenfurch.

Die Vorstände aller 19 Vereine des Lechgaus hatten sich im Restaurant Piroska eingefunden, um das vergangene Gaufest revuepassieren zu lassen, sich über das kommende zu informieren und Neuigkeiten von Gauvorstand Franz Multerer zu erfahren. Was war gut, was könnte man optimieren? Diese Fragen hatte sich auch Markus Wölfle gestellt, der mit seinem Trachtenverein Schloßbergler Schongau das Gaufest im letzten Jahr ausgerichtet hat. „Richtig gut kam der Gaufestmontag an, mit Trachtenmarkt und der Kapelle So&So mit rund 2000 Besuchern“, resümierte er. Doch auch die drei anderen Tage seien hervorragend gelaufen mit insgesamt rund 6500 Gästen und Besuchern. Probleme gab es mit den Parkplätzen auf dem Volksfestplatz, da sich manch Autofahrer nicht von Flatterbändern und Halteverbotsschildern beeindruckt zeigte. „Freilig ist das alles viel Arbeit, aber rückblickend kann ich sagen, dass so ein Fest einen Verein noch viel näher zusammen bringt“, lautete das Fazit Wölfles.

Franz Linder, Vorstand der Schwalbenstoaner Hohenfurch, notierte eifrig mit, denn er ist mit seinem Verein in diesem Jahr von 16. bis 19. Juli Ausrichter des Lechgau-Trachtenfests. Das Programm steht schon, und dieses stellte Linder bei der Besprechung kurz vor. Auch die Hohenfurcher werden ihr Gaufest vier Tage lang feiern, allerdings nicht mit einem drangehängten Montag, sondern mit einem vorangestellten Donnerstag. An diesem erfolgt ab 19 Uhr der Festauftakt mit Bieranstich und einem boarischen Wettstreit. Am Freitag wird zur Musik von BLECHpfiff und der Fäschtdags-Musig boarisch getanzt, und am Samstag gibt´s den traditionellen Heimatabend mit den Plattlergruppen des Lechgaus. Der Höhepunkt ist natürlich der Festsonntag mit Kirchenzug, festlichem Gottesdienst und dem großen Festzug. Das Festzelt wird im Norden der Gemeinde stehen. „Ich möchte euch heute schon bitten, dass ihr alle darauf hinweist der Beschilderung zum Zelt zu folgen, sonst wird´s problematisch“, verwies Linder auf die etwas komplizierte Verkehrslage.

Doch Linder kann auf ganz viel Unterstützung seitens aller Hohenfurcher Vereine zählen, und so wird auch dieses Gaufest der grandiose Höhepunkt im Kalender der Trachtler. Dessen ist sich auch Schirmherr Guntram Vogelsgesang sicher: „Wir werden das Fest stemmen, weil wir alle an einem Strang ziehen.“

Alle Vereine im Lechgau stemmen auch gemeinsam eine Trachtenausstellung, die im April in Thaining stattfinden wird. An zwei Tagen wird es im dortigen Rochlhaus alles zu sehen, und vor allem zu erleben geben, was den Lechgau ausmacht. Zudem richtet der Verband im Mai ein Mariensingen anlässlich des 400-jährigen Jubiläums der Wallfahrtskirche auf dem Hohenpeißenberg aus. Auch 2020 wird wieder ein ereignisreiches Jahr für die Trachtler des Lechgaus.

 

Adventssingen

Dass es in einer Kirche eher ruhig zugeht, ist nichts Neues. Wenn man aber in einem vollbesetzten Gotteshaus eine Stecknadel fallen hören würde, obwohl kein Gottesdienst stattfindet, dann muss etwas Besonderes stattfinden. Wie das traditionelle Adventssingen und -musizieren des Lechgaus.
Bis auf den letzten Platz war die Kirche Mariä Geburt in Rottenbuch besetzt, mit Gästen aus dem gesamten Lechgau. Denn das traditionelle Adventssingen steht seit jeher für hochwertigen Musikgenuss. So auch heuer wieder. Franziska Weiß, Volksmusikwartin der „Illachtaler“ Rottenbuch, hatte ganz verschiedene Musikgruppen geladen, die zusammen ein wirklich beeindruckendes Konzert gaben, passend zur staaden Zeit. Ganz leise, zarte Töne schlug das Peitinger Harfenduo an. Mit ihren sanften Stücken sorgten sie dafür, dass sich bei allen Besuchern ganz automatisch der Pulsschlag beruhigte. Auch bei jenen, die vielleicht noch schnell vom Plätzchenbacken weggesprungen sind. Das schafften auch die Sänger des Böbinger Männerchors, die mit bekannten und weniger bekannten Stücken allein durch ihre Stimmgewalt wunderbar auf das Weihnachtsfest einstimmten.
Das Klarinettenquartett der Lechgaukapelle hatte sich Unterstützung von Irmi Barnsteiner an der Harfe geholt, und zusammen verbreiteten sie mit ihren schönen Stücken eine ganz positive Grundstimmung. Besinnlich und fröhlich. Wie die Illachtaler Saitenmusik, die Vierten im Bunde, die zudem mit ihren leicht fremdländisch klingenden Arrangements noch einmal eine neue Note in das Konzert brachten. Mit Harfe, Hackbrett, Zither, Gitarre und Kontrabass vereinten sie Besinnliches mit Rhythmen, die einen beinahe mitwippen ließen.
Die Bläser der Musikkapelle Rottenbuch rundeten mit ihren Weisen, die von der Empore der Kirchen wahrlich epochal klangen, das Adventssingen musikalisch grandios ab. Doch nicht nur für das musikalische Gehör war das Konzert ausnehmend schön. Pfarrer Josef Fegg trug zwischen den Stücken Texte vor, die nachhaltig zum Nachdenken anregten. Und seine Geschichten und Gedichte, natürlich im Dialekt, erreichten vor allem das Herz der Zuhörer. Alles in allem ein Adventssingen, das das Prädikat wertvoll verdient hat.

 
 

Jugendpreisplattln in Peiting

Wenn Jugendleiter, Eltern, Großeltern und fast 200 Kinder um die Wette strahlen, dann ist wieder Jugend-Preisplatteln. Heuer trafen sich die jüngsten Plattler und Dreherinnen der Trachtenvereine des Lechgaus in der Schloßberghalle in Peiting, um vor den gestrengen Augen der Wertungsrichter zu zeigen, was sie gelernt haben.
Ab neun Uhr in der Früh wuselte es in der Halle. Haare wurden geflochten, Strümpfe festgemacht, die ersten plattelten sich schon warm. Denn schon bald galt es: Ist meine Tracht sauber beinander? Bin ich im Takt? Funktioniert das Ausdrehen? Die 183 jungen Einzelteilnehmer mussten sich in zwei Kreisen von insgesamt acht Preisrichtern unter anderem nach diesen Richtlinien bewerten lassen. Und diese sahen wirklich ganz genau hin. Eine Mammutaufgabe bei so vielen kleinen, ehrgeizigen Trachtlern. „Ich möchte mich herzlich bei unseren Preisrichtern bedanken, ihr habt das super gemacht“, lobte Gau-Vorplattler Florian Schamper die hervorragende Leistung der Wertungsrichter. Denn diese waren zwar streng, aber sehr fair.
Nach sechs Stunden war dann bei allen die erste Aufregung verschwunden, die Einzel- und Gruppenwertungen waren vorbei, es stand die Preisverleihung an. Und da wurde es wieder richtig spannend, denn die Plätze waren oft nur durch ein einzelnes Fehlerpünktchen getrennt, manchmal musste sogar die niedrigere Losnummer entscheiden. Doch Ärger kam deswegen bei den Kindern nicht auf. Vielmehr freuten sie sich über die tollen Preise, die die Ausrichter vom Trachtenverein Alpenrose Peiting bereitgestellt hatten. Und bestimmt folgte noch die eine oder andere Preisplattel-Party zurück in der Heimat. Die Kinder hatten es sich allemal verdient.

 
 

Herbstgauversammlung

Eine ereignis- und arbeitsreiche Sommer-Saison liegt hinter den Trachtlern des Lechgaus. Einen Rückblick und auch einen Ausblick auf die anstehenden Veranstaltungen gab es bei der diesjährigen Herbst-Gauversammlung in Rott.
Über 100 Delegierte aus den 19 Trachtenvereinen des Lechgaus waren ins Pfarrheim in Rott gekommen und lauschten interessiert den Berichten der einzelnen Sachgebietsleiter. So erfuhren sie beispielsweise, dass beim Plattler-Weltrekord in Antdorf auch 147 Burschen aus zwölf Vereinen des Lechgaus mit dabei waren. „Und unser Leistungsstand ist richtig gut“, wusste Gau-Vorplattler Florian Schamper, denn: „Beim Preisplatteln der Aktiven in Peiting waren die auswertigen Preisrichter voll des Lobes.“ Auch für den Heimatabend beim diesjährigen Gaufest in Schongau habe er sehr viel Zuspruch erfahren: „Wenn ein anderer Gauvorplattler zu mir kommt und sagt, dass er froh wäre, solch einen bärigen Heimatabend ausrichten zu können, erfüllt einen das schon mit Stolz.“
Stolz können auch die Brauchtums- und Mundartwarte der Gaue im Bayerischen Trachtenverband sein. In fünf Jahren haben sie Abzählreime und ganz einfache Spiele „aus vergangenen Zeiten“ gesammelt und nun im Buch „Lustige Kinderspiele neu entdeckt“ veröffentlicht. „Das ist eine wunderbare Sache für alle Jugendleiter, aber auch für Eltern, Lehrer und Erzieher“, rührte Josef Fiederer, Brauchtumswart des Lechgaus, die Werbetrommel für das Buch, das im Buchhandel oder beim Bayerischen Trachtenverband erworben werden kann. Auf 100 Seiten werden Spiele wie „Eierrollen“, „Mama, darf ich reisen gehen?“ oder „Verliebt, verlobt, verheiratet“ erklärt. Ein Traum nicht nur für alle Eltern, die gerade einen Kindergeburtstag planen müssen.
Über die zahlreichen Veranstaltungen und Treffen im kommenden Jahr informierte Gauvorstand Franz Multerer. „Es ist schön, dass unsere Vereine und auch der Gauausschuss so engagiert sind“, lobte er. „Da freue ich mich schon auf das nächste Jahr.“

 

Besprechung der Volksmusikwarte im Lechgau

Kinder und Jugendliche für die bayerische Tradition zu begeistern: Das ist eine der Hauptaufgaben der Trachtenvereine des Lechgaus. Bei den Plattlergruppen funktioniert das seit vielen Jahren hervorragend. Doch das ist nur eine Säule des gelebten Brauchtums. Die Volksmusik zählt ebenso dazu. Und hier gibt es durchaus Luft nach oben.

Bei der diesjährigen Besprechung der Volksmusikwarte des Lechgaus in Epfach wurde dieses Problem angesprochen. „Bei den Bläsern haben wir keine Nachwuchssorgen“, fassten Brigitte Strunz und Marianne Baab, Volksmusikwartinnen des Lechgaus, zusammen. Doch: „In vielen Vereinen gibt es keine Kinder mehr, die ein klassisches Volksmusikinstrument wie Harfe, Zither oder Hackbrett spielen.“ Wie hier künftig die Nachwuchsgewinnung aussehen könnte, das haben die Verantwortlichen der jeweiligen Vereine als „Hausaufgabe“ aus der Besprechung mitbekommen.

Dass diese Aufgabe nicht unmöglich zu lösen ist, zeigt ein positiver Trend beim Gesang: In fünf Vereinen gibt es mittlerweile Singkinder, die mit Begeisterung bayerisches Liedgut lernen. Eine schöne Bereicherung für die Veranstaltungen der jeweiligen Vereine.

Auch auf Gau-Ebene gibt es wunderbare Volksmusik-Veranstaltungen, die den Kindern und Jugendlichen zeigen, wo der Weg hinführen könnte. Die nächste ist das Adventsingen in Rottenbuch am 8. Dezember. „Nehmt eure Kinder mit zu diesen musikalischen Treffen, damit sie ein Gespür für echte Volksmusik bekommen“, ermutigt Brigitte Strunz. Damit auch die traditionelle Volksmusik fest auf allen Säulen steht.

 

Gauwallfahrt auf den Hohen Peißenberg

Ein eindrucksvolles Bild boten die zahlreichen Trachtler des Lechgaus bei ihrer traditionellen Wallfahrt auf den Hohenpeißenberg. Sie hatten sich, wie jedes Jahr, auf den Weg gemacht, den Rosenkranz betend die Wallfahrtskirche Maria Himmelfhart auf dem Bayerischen Rigi zu erreichen. Um dort gemeinsam einen feierlichen Gottesdienst zu feiern, der eine Überraschung bereithielt.Demut, Dankbarkeit und Bodenständigkeit standen im Mittelpunkt der Messfeier, die von Peitings Pfarrer und Hausherren der Kirche, Robert Kröpfl, und seinem Amtsbruder Josef Fegg aus Rottenbuch zelebriert wurde. „Unser Land is gsegnet vom Herrn, niemals derfdes vergessn wern.“ Eine gereimte Predigt im Dialekt? Rottenbuchs Pfarrer Josef Fegg wagte das Experiment- und es gelang großartig. Metrisch gekonnt, regte aber vor allem derInhalt zum Nachdenken an. Und an manchen Stellen zum Lachen. Die Aufmerksamkeit eines Jeden in der voll besetztenWallfahrtskirche war ihm jedenfalls gewiss. Für diese wunderbare Predigt gab es sogar anschließenden Applaus –auch eher ungewöhnlich bei einem Gottesdienst.Im Anschluss wurde traditionell die Gaustandarte übergeben, diezu besonderen Anlässen getragen wird. Die Illachtaler Rottenbuch, die auch die Messe sehr schön musikalisch gestaltet und vorbereitet hatten, überreichten sie an den Trachtenverein Schloßbergler Schongau. Den ersten Einsatz hat die neue Fahnenabordnung bereits am kommenden Wochenende beim Huosigaufest in Geltendorf.

 
 

Jugendbildungsmaßnahme in der Langau

Die Trachtler-Jugend im Lechgau gibt nicht nur bei den Festzügen ein wunderbares Bild ab, sie sind auch ein ganz netter und lustiger Haufen. Das bewiesen sie einmal mehr bei der diesjährigen „Jugendbildungsmaßnahme“ in der Langau. So sperrig der Begriff vielleicht daherkommen mag, so locker und griabig ist die Veranstaltung. Sechs Tage lang hatten 32 Jugendliche aus dem gesamten Lechgau eine Mordsgaudi – aber sie lernten auch viel in dieser Zeit.

Die neun Betreuer hatten ein spannendes, lustiges und auch anspruchsvolles Programm zusammengestellt. So kamen die Jugendlichen zwischen 13 und 17 Jahren nicht nur in den Genuss einer Verkehrserziehung, sie besichtigten auch ein Sägewerk und einen Blockhaus-Betrieb. Zudem wurden sie in die Geheimnisse des Rosenkranzes eingeweiht bei einer kurzen Fußwallfahrt zur angrenzenden Wieskirche. Aufgelockert wurde das Programm durch viele Spiele und Quizze, eine Floßfahrt auf dem Lech, eine Radtour und gemeinsame Abende am Lagerfeuer, an denen natürlich auch Volkslieder gesungen wurden. Gelebte Tradition!

 

96. Lechgaufest in Schongau

Vier Tage lang war Schongau fest in der Hand der Trachtler, die das 96. Lechgau-Trachtenfest feierten. Mit einem wunderbaren Eröffnungsabend begann das Gaufest. Über 800 Gäste fanden den Weg ins Festzelt an der Lechuferstraße, und erlebten mit dem Trachtenverein Schloßbergler Schongau viele Stunden echtes, gelebtes bayerisches Brauchtum. Zum traditionellen Boarischen Tanz spielten die „Brauhaus Musikanten“ und die „Schwindlig Blos“ abwechselnd schneidig auf, und die Goaßler aus Steingaden sorgten für beste Unterhaltung.

Offiziell wurde das Lechgau-Trachtenfest am Samstagabend mit einem großartigen Standkonzert auf dem Marienplatz eröffnet. Laut hallte es innerhalb der Stadtmauern, als die Stadtkapelle Schongau, die Musikkapelle und der Trommlerzug aus Rottenbuch mit den Trachtlern in Schongaus guter Stube einzogen. Zusammen mit zahlreichen Gästen ging es danach ins Festzelt zum traditionellen Heimatabend, bei dem die Vereine des Lechgaus zeigten, was für schneidige Plattlergruppen sie haben. Den Auftakt machten natürlich die Schloßbergler, die alles aufboten, was der Verein zu bieten hat: Zum wunderbaren „Vindobona-Marsch“ der Stadtkapelle Schongau, gesanglich unterstützt vom Schloßbergler Männerchor, zeigten die Jugend und die Aktiven der Plattlergruppe einen einzigartigen Auftanz, der die Gäste begeisterte, wie der lang anhaltende Applaus bewies. Auch die Gruppen der Lechgau-Vereine hatten sich alle mächtig ins Zeug gelegt und boten eine großartige Vielfalt an Tänzen und Plattlern, von der „Miesbacher Mühle“ und dem Gamssprung bis hin zum Radtanz und dem „Lechgauer“ der Gaugruppe. Mit dem beeindruckenden Kronentanz mit 16 Paaren der Schloßbergler endete der offizielle Teil des Abends.

Der Höhepunkt eines jeden Gaufests ist der Festsonntag. Bei allerbestem Gaufest-Wetter begann der große Tag mit einem festlichen Gottesdienst auf dem Marienplatz. Beeindruckend vor dieser Kulisse mit dem wunderschön geschmückten Altar. Der große Festzug, mit 41 Trachtenvereinen, 21 Musikkapellen, sieben Trommlerzügen und 13 liebevoll geschmückten Festwägen, lockte zahlreiche Besucher an und bot ein wirklich gigantisches Bild.

Mit einem fulminanten „Gaufestmontag“ endete das 96. Lechgau-Trachtenfest in Schongau.

Über 2000 Besucher aus nah und fern kamen in den Abendstunden ins Festzelt an der Lechuferstraße, angezogen von dem super zusammengestellten Programm mit der grandiosen „Kapelle So&So“, einem Trachtenmarkt mit über 30 hochwertigen Ausstellern und feinem Kesselfleisch.

Eineinhalb Wochen lang hat wirklich jeder Schloßbergler mit angepackt, Jung und Alt, Aktive und Passive und die Eltern der Plattlerjugend. „Ich kann es gar nicht in Worte fassen, wie dankbar ich allen bin, die dazu beigetragen haben, dass wir vier Tage lang ein so großartiges Trachtenfest feiern konnten“, strahlte Vorstand Markus Wölfle. „Die Stimmung war immer spitze, alle waren gut drauf, das Wetter hat gepasst, jeder Tag war ein Höhepunkt für sich. Es war einfach perfekt.“

 
 

Gaujugendtag der Lechgaujugend

Die Tradition im Lechgau lebt. Der beste Beweis dafür ist jedes Jahr wieder der Gaujugendtag, der heuer in der Auerberghalle abgehalten wurde.

Bereits zum 51. Mal trafen sich dort die Kinder und Jugendlichen der Lechgau-Vereine und zeigten die verschiedensten Volkstänze. Sternpolka, Kreuzpolka, mit und ohne Plattler, aber auch seltene Tänze wie der Bandltanz und der Bankler wurde vom Trachtler-Nachwuchs auf die Bühne gebracht. Immer unter dem großen Applaus der vielen Zuschauer. „Was gibt es Schöneres, als junge Menschen für die Trachtensache begeistern zu können“, freute sich Gauvorstand Franz Multerer über die starken Jugendgruppen. Und: „Viele von jenen, die vor etlichen Jahren selbst auf der Bühne standen, sind heute im Publikum. Aber auch ganz viele, die bis jetzt noch nichts mit der Trachtensache zu tun hatten, und dennoch ihre Kinder zu uns bringen. Des gfreit mi narrisch, dass ihr uns vertraut, und ich versichere euch, dass sie bei uns gut aufgehoben sind.“

Ausrichter des 51. Gaujugendtags war der Trachtenverein „König Ludwig II“ aus Burggen, der dafür sorgte, dass auch abseits der Bühne viel geboten war. Mit lustigen Spielen, einem reichhaltigen Kuchenbuffet und zünftiger Musik von der Kanapee-Musi aus Hohenpeißenberg wurde dieser Tag zu einem rundum Wohlfühlpaket, bei der die jungen Trachtler jede Menge Spaß hatten, und sich besser kennenlernen konnten. Ganz im Sinne der guten, bayerischen Tradition.

 
 

Gausingen in Stoffen

Im Lechgau ist die Volksmusik daheim. Das stellten 13 Gruppen aus acht Vereinen beim Gausingen und –musizieren in Stoffen-Lengenfeld eindrucksvoll unter Beweis. Ein schöner Abend für alle, die echte, traditionelle Volksmusik lieben.

„Wo gibt´s denn sowas?“, fragte Volksmusikwartin Brigitte Strunz die knapp 200 Besucher und Musikanten in der Mehrzweckhalle. „So eine riesige Palette an allem, was Volksmusik zu bieten hat, mit ganz jungen Musikanten und vielen Felsen.“ Zweieinhalb Stunden durften sich die Besucher an den vielfältigen Darbietungen der Gruppen erfreuen, und kamen dabei voll auf ihre Kosten, denn es war wirklich für jeden Geschmack etwas dabei. Wunderbar ruhige Saitenmusik brachten die Hausmusik Auer, die Zithermusi aus Böbing, die Goldstein-Musi aus Peiting und, mit Querflötenunterstützung, die Würflmusi aus Reichling zu Gehör.

Richtig schneidige Blasmusik gab es von den Dorfmusikanten aus Burggen, den jungen Hollbuaba aus Stoffen, den Weisenbläsern aus Epfach und natürlich der Lechgaukapelle.

Den starken gesanglichen Part übernahmen die beiden Männerchöre aus Schongau und Peiting mit ihren eindrucksvollen Stimmen, sowie der Männerviergsang aus Peiting, der an diesem Abend allerdings krankheitsbedingt nur zu Dritt angetreten war. Ein ganz besonderes Schmankerl hatte der Schönach-Dreigsang aus Hohenfurch im Gepäck: Begleitet an Ziach und Gitarre gaben sie eigens auf den Lechgau gedichtete Gstanzl zum Besten, die den Gästen die Lachtränen in die Augen trieben und für tosenden Applaus sorgten. Ebenfalls einen Angriff auf die Lachmuskeln startete Maria Schweiger aus Epfach, die „Institution in der Mundartdichtung“, wie sie trefflich von Strunz vorgestellt wurde, mit ihren lustigen Geschichten und Gedichten.

Mit den Alphornbläsern aus Thaining endete der offizielle Teil des Gausingens und -musizierens. Doch heimgehen wollten die meisten Besucher nach diesem traditionell schönen und unterhaltsamen Abend noch lange nicht. Musikalisch umrahmt von der Lechgaukapelle wurde noch lange zusammen geratscht und gelacht. Wer nicht dabei war, hat wirklich was verpasst.

 

Aktivpreisplattln in Peiting

Das Preisplatteln des Lechgaus verliert nicht an Attraktivität. Jedes Jahr stellen sich Mädla, Buam und Gruppen den gestrengen Augen der sechs Wertungsrichter. Und dass man dafür nie zu alt ist, dass Platteln und Drehen immer Spaß macht, bewiesen auch acht Trachtler des ausrichtenden Vereins „Alpenrose“ Peiting in der Schloßberghalle, die für eine handfeste Überraschung sorgten.

Seit 1910 gibt es das Preisplatteln im Lechgau, allerdings zuerst nur für Gruppen. Erst ab 1925 wurden die Einzelwertungen eingeführt, die bis heute unter genau festgelegten Bestimmungen abgehalten werden. Fängt der Bua seine Tänzerin sauber ein? Schlägt und stampft er gleich und nicht zu leicht? Dreht das Dirndl ordentlich am Kreis? Schaukelt die Rockglocke auch nicht? Sind beide im Takt und haben eine saubere Tracht? Jeweils drei Wertungsrichter schauen mit Argusaugen auf jedes noch so kleine Detail beim Platteln und Drehen. Am Ende steht eine Liste mit gemachten Fehlern und einer Gesamt-Haltungsnote. Addiert ergibt es das Ergebnis.

Keine leichte Aufgabe, bei 165 Teilnehmern in sechs Altersklassen. Und dieses Mal ging es sehr eng her, besonders bei den ersten Plätzen. In drei Altersklassen wurde der erste Platz durch die Losnummer entschieden. Das passiert, wenn mehrere Teilnehmer die gleiche Wertung haben. So geschehen bei den Mädla Aktiv I. Hier hatte Vroni Strunz aus Böbing die Nase vorn, weil sie 40 Losnummern vor der Zweitplatzierten Regina Thiel aus Peiting gezogen hatte. Noch enger war es bei den Buam derselben Altersklasse: Die vier Erstplatzierten hatte allesamt eine Wertung von 7/0. Auch hier verhalf das Losglück Andreas Nöß aus Steingaden zum Sieg, vor Christian Kaindl aus Hofstetten und Florian Thiel aus Peiting. Max Multerer aus Peiting musste sich mit der Losnummer 123 mit dem vierten Platz begnügen. Mehr Glück hatte da sein Bruder Franz in der nächsten Altersklasse, der sich nicht nur die Traumnote 3/0 erplattelte, sondern mit seinem besseren Los Johannes Linder aus Hohenfurch auf den zweiten Platz verwies. Bei den Mädla Aktiv II war die Sache klarer: Hier siegte Rita Horn aus Schongau mit einer Wertung von 6/0 vor Verena Multerer aus Peiting (7/1).

Die super Stimmung während des Preisplattelns erreicht jedes Mal ihren Höhepunkt, wenn die Gruppen dran sind. Heuer stellten sich 21 Gruppen aus zwölf Lechgau-Vereinen der Wertung. Darunter eine ganz besondere: Unter dem Namen „Peiting Klassik“ traten, zehn Jahre nach ihrem letzten Auftritt, noch einmal Birgit Multerer, Annelies Schamper, Monika Pössinger, Marianne Baab, Franz Multerer, Robert Schmid, Georg Multerer und Norbert Schelle unter die Augen der Wertungsrichter. Sie waren in ihrer aktiven Zeit oft Maß aller Dinge, und sie haben offensichtlich nichts verlernt. Mit einer richtig schneidigen Vorstellung belegten sie am Ende den verdienten fünften Platz. Hinter der erstplatzierten jungen Gruppe der „Alpenrose“ Peiting, die teilweise aus Kindern der „Klassiks“ besteht, der zweitplatzierten Gruppe der „Schloßbergler“ Schongau, „Almfrieden“ Steingaden I belegte den dritten und die „Schwalbenstoaner“ Hohenfurch I den vierten Platz.

Mit schönen Preisen, leckeren Geschenkkörben und bester Laune verließen die Trachtler am frühen Abend die Schloßberghalle. Und bestimmt mit ein bisschen Vorfreude auf das nächste Preisplatteln in Schongau.

 
 

Frühjahrsvorplattlerprob in Rottenbuch

Ein ungewöhnlicher Termin steht bei allen Plattlern des Lechgaus heuer im Terminkalender. Diesen erläuterte Gau-Vorplattler Florian Schamper bei der diesjährigen Frühjahrs-Vorplattlerprobe in Rottenbuch.

Die Plattler wollen ins Guinessbuch der Rekorde. Und zwar am 30. Mai in Antdorf im Rahmen der Antdorfer Festwoche. Das hat sich der dortige Trachtenverein „Waxnstoaner“ ausgedacht, denn den derzeitigen Rekord halten Österreicher! Und der liegt bei 1296 Burschen, die fünf Minuten geplatteln haben. „Da können wir vom Lechgau doch die Antdorfer unterstützen“, wirbt Schamper für die Veranstaltung. Denn genug schneidige Plattler gibt es definitiv im Lechgau, und auch die Ambosspolka dürfte kein Problem sein. Die Voraussetzungen sind: Vereinstypische Tracht und man muss einigermaßen platteln können (keine Altersgrenze), denn ein Aussetzer würde den Rekord gefährden. Also keine Spaß-Teilnehmer.

Doch die findet man im Lechgau sowieso nicht, denn dort gibt es in allen Vereinen gute Plattler und Dreherinnen. Und dass dies auch die nächsten Jahre so bleibt, wird viel in die Jugendarbeit und die Platterproben investiert. Die Ergebnisse kann man beim beispielsweise am Sonntag, 5. Mai, in der Peitinger Schloßberghalle sehen, denn da treten ab 9 Uhr die Aktiven der Lechgau-Vereine zum jährlichen Preisplatteln an. Zuschauer sind herzlich willkommen.

 

Passionssingen in Rott

Innehalten, nachdenken, erkennen und genießen. Das Passionssingen des Lechgaus in der Kirche „Heilige Familie“ in Rott verdient das Prädikat: Außergewöhnlich schön.

Nach vielen Jahren gab es wieder ein Konzert in der Passionszeit im Lechgau. Und wie die Veranstalter des Trachtenvereins „D´Rottbachtaler“ Rott, und vor allem die beteiligten Musik- und Gesangsgruppen das einstündige Programm bestückten, war einfach nur wunderbar. Und das, obwohl das traditionelle Liedgut, das zur österlichen Bußzeit passt, bekanntlich keine leichte Kost ist. „Die Lieder beschreiben die Grausamkeit des Leidens und Sterbens Jesu“, führte Georg Seidenspinner die Zuhörer in der voll besetzten Kirche an das heran, was nun dargeboten werden würde. Doch sollte das Passionssingen nicht deprimieren, oder gar traurig machen: Nein. Seidenspinner verstand es, mit seinen Texten eines Gottessuchenden im fiktiven Dialog mit Jesus, das Leiden der Passion zu einem tröstlichen Erkennen des Selbst werden zu lassen. „Gerade die Passionszeit bietet uns die Möglichkeit, über unser eigenes Leben nachzudenken, auch wenn das manchmal unangenehm ist.“ Innehalten, hinschauen, aushalten und verstehen. Das legte Seidenspinner allen ans Herz. Und im Einklang mit der wunderbar ruhigen Musik gelang das auch.

Leise und getragen, aber mit drei glasklaren Stimmen und Seidenspinner an der Zither nahm der Buchwies G´sang die Suchenden mit zum Ölberg und „Vor deinem Kreuz“. Der Böbinger Männerchor beeindruckte mit ganz starken Stimmen und einer ausgezeichneten Darbietung seiner Liedauswahl, wie „Für mich nahmst du das Kreuz“ - einer der vielen Momente, die tief unter die Haut gingen. Kongenial wurden die gesanglichen Vorträge durch instrumentale ergänzt. Das Klarinettentrio der Lechgaukapelle, begleitet von Irmi Barnsteiner an der Harfe, intonierte wunderbare andächtige Weisen. Ebenso wie die Lechreiner Musikanten, die mit zwei Zithern und Gitarre automatisch dafür sorgten, dass man ganz ruhig wurde. Auch im Herzen.

Das war ein Passionssingen, wie man es besser nicht machen kann. Ein musikalischer Hochgenuss mit ganz viel Raum für eigene Gedanken. Nachhaltig.

 
 

Frühjahrsgauversammlung in Seestall

Die neue Satzung des Lechgaus ist endlich durch: Den positiven Bescheid verkündete Gauvorstand Franz Multerer stolz bei der Gau-Frühjahrsversammlung, die heuer in Seestall abgehalten wurde. Und auch Neuigkeiten von der Landesausschussitzung in Raubling hatte Multerer im Gepäck. Hier gab es allerdings nicht nur Positives zu berichten: Große Sorgen bereitet den Trachtlern in ganz Bayern der stetige Mitgliederschwund. 41 Vereine haben sich demnach in letzter Zeit komplett aufgelöst, knapp 4000 Trachtler sind dadurch vereinslos. Im Lechgau stehe man man vergleichsweise gut da – manche Vereine wachsen sogar, andere verzeichnen zumindest keinen, oder nur einen sehr geringen Verlust an Mitgliedern.

Und damit das auch so bleibt, oder sogar noch besser wird, war und ist man im Lechgau sehr aktiv und mit Herzblut dabei. Das zeigten unter anderem die Berichte der Sachgebietsleiter. Gerade in der Jugendarbeit tut sich gerade viel (wir berichteten), wie Gau-Jugendleiter Georg Multerer noch einmal betonte. Allein das neue Logo der Bayerischen Trachtenjugend rief etwas Verwunderung unter den 114 Anwesenden hervor: Stilisiertes Trachtler-Paar oder arabische Schriftzeichen? Doch vielleicht muss man manchmal neue, unkonventionelle Wege beschreiten und dann sehen, was daraus wird. Auch in der Volksmusik wird fleißig gearbeitet, Volksmusikseminare abgehalten, jährlich drei traditionelle Singen organisiert und über neuste GEMA-Richtlinien informiert. Die Brauchtumswarte aller bayerischen Gaue haben gemeinsam eine Bibliothek über Bräuche und Traditionen erstellt, auf die auch Lehrer zugreifen können, um Brauchtum an Schulen zu fördern – ganz im Sinne des derzeitigen Trends, Dialekt in die Lehranstalten zu bringen.

Die Plattlergruppen der 19 Vereine des Lechgaus fiebern nicht nur dem Preisplatteln am 5. Mai in Peiting entgegen: Vorplattler Florian Schamper rührte auch ordentlich die Werbetrommel für den Weltrekordversuch des Trachtenvereins „D´Waxnstoaner“ Antdorf, der am 30. Mai versuchen will, den aktuellen Rekord von 1296 Burschen beim gemeinsamen Plattler zu toppen. Und natürlich steht das 96. Lechgau-Trachtenfest in Schongau ganz oben auf der Liste der Höhepunkte in diesem Jahr. Schloßbergler-Vorstand Markus Wölfle stellte das fertige Programm vor, das heuer über vier Tage geht: Vom 12. bis zum 15. Juli. Nach dem Boarischen Tanz am Freitag, dem Heimatabend am Samstag, dem Festsonntag mit Gottesdienst und großem Festzug durch die Altstadt, hängen die Schongauer einen „Gaufestmontag“ dran, mit Trachtenmarkt, Kesselfleischessen und der bekannten Kapelle So&So bei freiem Eintritt.

„Nur mit schönen und offenen Veranstaltungen können wir zeigen, was wir machen, wofür wir uns einsetzen, woran unser Herzblut hängt, und dadurch auch für uns werben“, bekräftigte Gauvorstand Franz Multerer. Damit der Weg im Lechgau weiterhin positiv beschritten wird.

 

Stillerhofseminar

Zwei Tage lang neue Leute kennenlernen, zusammen eine Mordsgaudi haben und ganz viel gemeinsam musizieren: Seit vielen Jahren ist das Volksmusikseminar des Lechgaus im Stillerhof bei Wessobrunn ein beliebter Termin bei den jungen Trachtlern. Und gelernt wird dort auch eine ganze Menge.

34 Kinder aus neun der 19 Vereine des Lechgaus reisten mit Sack und Pack und vor allem ihren Instrumenten an, um abseits des „normalen“ Musikunterrichts etwas Neues, und doch traditionelles zu wagen. 14 junge Betreuer aus dem Lechgau, dem Chiemgau und dem Oberen Lechgau übten in elf Gruppen Walzer, Landler, Märsche und auch Passionsweisen mit den Kindern ein. Und sie waren alle, von der Fünfjährigen bis zum 18-Jährigen, mit Begeisterung dabei. „Es hat ganz viel Freude gemacht mit den Kindern zu arbeiten. Das war eine total harmonische Truppe und alle waren voll motiviert“, lobte die Volksmusikwartin des Lechgaus, Brigitte Strunz, die Teilnehmer. Zusammen mit Marianne Baab hatte sie das Seminar organisiert, und auch neben den Übungseinheiten ein tolles Programm zusammengestellt. Beim gemeinsamen Singen, dem lustigen Gau-Quiz und einem griabigen Hoagart lernten sich die Kinder der verschiedenen Vereine gegenseitig kennen und hatten eine riesige Gaudi miteinander.

Beim Gottesdienst mit Diakon Hans Steinhilber durften sie dann ein erstes Mal zeigen, was sie gelernt hatten, denn natürlich gestalteten die Kinder die Messe musikalisch. Auch dies sei ein Eckpfeiler der Trachtensache, wie Steinhilber betonte: „Die Verbindung und gegenseitige Unterstützung zwischen Trachtlern und Kirche ist eine ganz wichtige“, hob er in seiner Ansprache hervor, und lobte die Kinder für ihr Engagement.

Gegen Ende des Seminars machte sich langsam, vor allem bei den kleineren Teilnehmern, Nervosität breit. Denn das traditionelle, abschließende Vorspiel stand bevor. Zahlreiche Eltern, Großeltern und Geschwister strömten in den kleinen Saal und warteten gespannt darauf, was ihre Kinder zu Gehör bringen würden: Und das war eine großartige, abwechslungsreiche Mischung aus der gesamten Palette der Volksmusik. Und wenn doch einmal ein Ton daneben ging, wurde kurz gelacht und weitergemacht – und immer stürmischer Applaus eingeheimst. Denn das macht das Seminar aus: Ohne Druck und mit begeisternder Freude lernen die kleinen Trachtler hier nicht nur ihr Instrument besser zu beherrschen. Sie lernen vor allem neue Freunde kennen, genießen die Gemeinschaft und tanken ganz viel Selbstbewusstsein.

 

Jugendleiterschulung im Lechgau

Was sind die Aufgaben eines Jugendleiters? Was muss er rechtlich beachten, wie kann er seine Kinder und Jugendlichen motivieren? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Grundschulung der Jugendleiter des Lechgaus in Steingaden.

Als Unterstützung hatten sich die Ausrichter die Referentin der Bayerischen Trachtenjugend, Stephanie Perfler aus dem Inngau ins Boot geholt. An drei Tagen erklärte sie den 26 Teilnehmern, die größtenteils gerade selbst erst der Jugendgruppe ihrer jeweiligen Vereine entwachsen sind, auf was es bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit ankommt. Als Grundvoraussetzung sei hierbei ein gewisses Organisationstalent genauso wichtig, wie die Freude, mit Kindern zu arbeiten. „Denn eine gute Jugendarbeit Jugendarbeit ist die Wurzel eines jeden Vereins. Ohne sie gibt es auch irgendwann keine Trachtenvereine mehr“, stellte Perfler die Wichtigkeit dieser Aufgabe heraus.

Doch was können die Jugendleiter neben gut organisierten Plattlerproben den Kinder noch bieten, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken und Spaß an der Trachtensache zu wecken? In Arbeitskreisen wurden hierzu tolle Ideen entwickelt, die von gemeinsamen mehrtägigen Ausflügen, Überraschungen bei den Plattlerproben, einem Ferienprogramm mit Basteln oder Goaßl-Crashkurs, bis hin zu regelmäßigen Besuchen an Ganztagesschulen reichten. Neben vielfältigen Aktionen für die Kleinen dürfe man aber auch die Eltern nicht aus dem Blick verlieren. Mit ihnen müsse man zusammenarbeiten, sie bestenfalls in die Vereinsarbeit einbinden, und  vor allem immer den persönlichen Kontakt wahren.

Um all das in die Tat umsetzen und durchführen zu können, stellte Perfler auch verschiedene Förder- und Unterstützungsangebote vor. Und sollten doch einmal Fragen und Probleme auftauchen, gibt es kompetente Stellen, an die sich die Jugendleiter wenden können – beispielsweise an die zuständigen Gau-Jugendleiter oder an Armin Schmid, den Landesjugendvorstand.

Mit ganz vielen Ideen und Handwerkszeug im Gepäck nahmen die jungen Jugendleiter nach dem Kurs wieder ihre Arbeit in den Vereinen auf. Eine der wichtigsten in jedem Vereinsleben.

 
 

Tagung der bayerischen Trachtenjugend im Lechgau

Wie gewinnt man Kinder für die Trachtensache, und was kann man den Nachwuchs-Trachtlern als besondere Schmakerl zusätzlich bieten? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des jährlichen Treffens aller Gau-Jugendleiter des Bayerischen Trachtenverbands, die heuer in Steingaden zusammenkamen.

Zwei Tage lang rauchten die Köpfe der rund 60 Teilnehmer aus 22 Gauverbänden. Doch der Gedankenaustausch hat sich gelohnt! Am Ende des Treffens standen richtig gute Ideen und innovative Ergebnisse. So möchte man beispielsweise künftig noch mehr Werbung für die Angebote im Trachtenkulturzentrum Holzhausen machen, denn auch nach vier Jahren werden diese zu wenig genutzt. Derweil stellen die Verantwortlichen Jahr für Jahr ein abwechslungsreiches und interessantes Programm zusammen, von Bayerischen Tänzen bis hin zu handwerklichen Kursen wie Schnitzen oder Nähen. Eine Idee der Tagung war, einen Mundart-Wettbewerb in den Schulen zu starten, und den Gewinner-Klassen eine Übernachtung in Holzhausen als Hauptpreis in Aussicht zu stellen. Die Schulen möchte man auch anderweitig ins Boot holen, beispielsweise mit erweiterten Angeboten beim Heimat- und Sachkundeunterricht, die sich mit den Themen Brauchtum und Tradition befassen.

Auch die Kleinsten wurden beim Treffen der Jugendleiter nicht vergessen: So planen die verschiedenen Gaue jeweils individuell ein Mini-Buch zu entwerfen, das schon den Kindergartenkindern die Trachtensache näher bringen soll.

Und noch etwas Neues wird es bald geben: Ein eigenes Logo der Bayerischen Trachtenjugend! Das Emblem mit einem Trachtlerpaar wurde von einer Studentin im Zuge ihrer Bachelorarbeit entworfen, und soll ab 2020 auf allen Schreibunterlagen des Bayerischen Trachtenverbands abgedruckt werden.

Doch natürlich wurde an den zwei Tagen in Steingaden nicht nur gearbeitet. Die Jugendleiter des Lechgaus, Georg Multerer und Johanna Rieder, hatten ein schönes Rahmenprogramm zusammengestellt: Samstagabend ging es nach einem festlichen Gottesdienst in der berühmten Wieskirche zum griabigen Brotzeiten und ratschen in die Schönegger Käse-Alm. Und zum Abschluss saß man noch einmal zum gemeinsamen Essen im Karl-Eberth-Haus zusammen. Denn auch das ist ein Eckpfeiler der Trachtensache: Gemeinsam eine schöne Zeit zu haben, über die Gaugrenzen hinweg.

 
 

maskierter Jugendvolkstanz des Lechgaus

Da könnte sich manch erwachsene Maschkerer eine Scheibe abschneiden: Beim Maskierten Jugendvolkstanz des Lechgaus war die Tanzfläche immer voll. Da gab es kein fremdeln, wenn Polkas, Walzer oder Boarische von der kleinen Besetzung der Peitinger Trachten- und Knappschaftskapelle gespielt wurden, da wurde einfach getanzt was das Zeug hielt.

Knapp 200 Jugendliche aus dem gesamten Lechgau waren in Apfeldorf zusammengekommen, um einmal außerhalb der Trachten-Saison zusammen zu ratschen und zu feiern. Dirndl und Lederhose wurden gegen phantasievolle Kostüme getauscht, und so bevölkerten Rehe, Wilderer, Schlafmützen, Spielkarten, Bauarbeiter und Sportler den Saal - und vor allem die Tanzfläche. Diese wurde lediglich kurz geräumt, wenn eine der zahlreichen Einlagen angesagt war, wie beim Hohenfurcher Prinzenpaar, das einen Teil ihres Elferrats und vor allem die Minigarde im Gepäck hatte. Auch für den Auftritt der Mädelsgarde aus Apfeldorf machten die begeisterten Tänzer gerne Platz.

Auf die Lachmuskeln gab es von der Jugendgruppe der Epfacher, die in bester Feuerwehrkapellen-Manier auftraten, von der Apfeldorfer Jugend, die als Zwerge plattelten, und den jungen Gästen aus Steingaden, die den „Super Perforator“ aus dem „Schuh des Manitu“ auf die Bühne brachten. Die aktuellen Baustellen und Brückensperrungen hatten die jungen Plattler aus Reichling bei ihrer Einlage im Visier, inklusive einer modernen Version des Holzhackers. Zwischen den Einlagen und danach war wieder ganz viel Zeit, um das Tanzbein zu schwingen, entweder traditionell oder zur Stimmungsmusik der Peitinger – der Trachtenjugend ist das egal, denn sie können und wollen tanzen, und haben einfach Spaß dabei.

 

Vorständebesprechung in Schongau

Noch herrscht Ruhe in den 19 Vereinen des Lechgaus, doch schon bald geht es wieder rund. Genau die richtige Zeit, um sich auszutauschen, Vergangenes Revue passieren zu lassen und neue Ideen zu diskutieren. Dazu trafen sich bereits zum sechsten Mal die Vorstände der Trachtenvereine – heuer in Schongau im Trachtenheim auf dem Helgoland.

Im Mittelpunkt des Treffens standen die großen Gaufeste: Das im letzten Jahr in Peiting, und das in diesem Jahr in Schongau. Deshalb hatte der ehemalige Vorstand der „Alpenrose“ Peiting, Franz Thiel, auch das erste Wort. Ganz offen berichtete er davon, was gut gelaufen war, und wo er Verbesserungsbedarf sieht. Eine gute Grundlage und wertvolle Anregung für alle, die demnächst den Höhepunkt des Lechgau-Kalenders ausrichten, wie heuer Schongau und im nächsten Jahr Hohenfurch. Die eine oder andere Erfahrung wird demnach sicherlich auch in die Fest-Vorbereitungen des Trachtenvereins Schloßbergler Schongau einfließen, wie Vorstand Markus Wölfle betonte. Dieser stellte das Programm für das diesjährige Lechgau-Trachtenfest vor, das erstmals auch einen „Gaufestmontag“ beinhalten wird.

Auch Gauvorstand Franz Multerer nutzte die Chance, beinahe alle Vereinsvorstände an einem Tisch zu haben, um sich Meinungen zu verschiedenen Themen einzuholen. Eine wirklich gute Plattform, einmal im Jahr ganz ungezwungen und ehrlich zu diskutieren, Erfahrungen und Meinungen auszutauschen, um auch im neuen Jahr an einem Strang zu ziehen.