Gausingen in Stoffen

Im Lechgau ist die Volksmusik daheim. Das stellten 13 Gruppen aus acht Vereinen beim Gausingen und –musizieren in Stoffen-Lengenfeld eindrucksvoll unter Beweis. Ein schöner Abend für alle, die echte, traditionelle Volksmusik lieben.

„Wo gibt´s denn sowas?“, fragte Volksmusikwartin Brigitte Strunz die knapp 200 Besucher und Musikanten in der Mehrzweckhalle. „So eine riesige Palette an allem, was Volksmusik zu bieten hat, mit ganz jungen Musikanten und vielen Felsen.“ Zweieinhalb Stunden durften sich die Besucher an den vielfältigen Darbietungen der Gruppen erfreuen, und kamen dabei voll auf ihre Kosten, denn es war wirklich für jeden Geschmack etwas dabei. Wunderbar ruhige Saitenmusik brachten die Hausmusik Auer, die Zithermusi aus Böbing, die Goldstein-Musi aus Peiting und, mit Querflötenunterstützung, die Würflmusi aus Reichling zu Gehör.

Richtig schneidige Blasmusik gab es von den Dorfmusikanten aus Burggen, den jungen Hollbuaba aus Stoffen, den Weisenbläsern aus Epfach und natürlich der Lechgaukapelle.

Den starken gesanglichen Part übernahmen die beiden Männerchöre aus Schongau und Peiting mit ihren eindrucksvollen Stimmen, sowie der Männerviergsang aus Peiting, der an diesem Abend allerdings krankheitsbedingt nur zu Dritt angetreten war. Ein ganz besonderes Schmankerl hatte der Schönach-Dreigsang aus Hohenfurch im Gepäck: Begleitet an Ziach und Gitarre gaben sie eigens auf den Lechgau gedichtete Gstanzl zum Besten, die den Gästen die Lachtränen in die Augen trieben und für tosenden Applaus sorgten. Ebenfalls einen Angriff auf die Lachmuskeln startete Maria Schweiger aus Epfach, die „Institution in der Mundartdichtung“, wie sie trefflich von Strunz vorgestellt wurde, mit ihren lustigen Geschichten und Gedichten.

Mit den Alphornbläsern aus Thaining endete der offizielle Teil des Gausingens und -musizierens. Doch heimgehen wollten die meisten Besucher nach diesem traditionell schönen und unterhaltsamen Abend noch lange nicht. Musikalisch umrahmt von der Lechgaukapelle wurde noch lange zusammen geratscht und gelacht. Wer nicht dabei war, hat wirklich was verpasst.

 

Aktivpreisplattln in Peiting

Das Preisplatteln des Lechgaus verliert nicht an Attraktivität. Jedes Jahr stellen sich Mädla, Buam und Gruppen den gestrengen Augen der sechs Wertungsrichter. Und dass man dafür nie zu alt ist, dass Platteln und Drehen immer Spaß macht, bewiesen auch acht Trachtler des ausrichtenden Vereins „Alpenrose“ Peiting in der Schloßberghalle, die für eine handfeste Überraschung sorgten.

Seit 1910 gibt es das Preisplatteln im Lechgau, allerdings zuerst nur für Gruppen. Erst ab 1925 wurden die Einzelwertungen eingeführt, die bis heute unter genau festgelegten Bestimmungen abgehalten werden. Fängt der Bua seine Tänzerin sauber ein? Schlägt und stampft er gleich und nicht zu leicht? Dreht das Dirndl ordentlich am Kreis? Schaukelt die Rockglocke auch nicht? Sind beide im Takt und haben eine saubere Tracht? Jeweils drei Wertungsrichter schauen mit Argusaugen auf jedes noch so kleine Detail beim Platteln und Drehen. Am Ende steht eine Liste mit gemachten Fehlern und einer Gesamt-Haltungsnote. Addiert ergibt es das Ergebnis.

Keine leichte Aufgabe, bei 165 Teilnehmern in sechs Altersklassen. Und dieses Mal ging es sehr eng her, besonders bei den ersten Plätzen. In drei Altersklassen wurde der erste Platz durch die Losnummer entschieden. Das passiert, wenn mehrere Teilnehmer die gleiche Wertung haben. So geschehen bei den Mädla Aktiv I. Hier hatte Vroni Strunz aus Böbing die Nase vorn, weil sie 40 Losnummern vor der Zweitplatzierten Regina Thiel aus Peiting gezogen hatte. Noch enger war es bei den Buam derselben Altersklasse: Die vier Erstplatzierten hatte allesamt eine Wertung von 7/0. Auch hier verhalf das Losglück Andreas Nöß aus Steingaden zum Sieg, vor Christian Kaindl aus Hofstetten und Florian Thiel aus Peiting. Max Multerer aus Peiting musste sich mit der Losnummer 123 mit dem vierten Platz begnügen. Mehr Glück hatte da sein Bruder Franz in der nächsten Altersklasse, der sich nicht nur die Traumnote 3/0 erplattelte, sondern mit seinem besseren Los Johannes Linder aus Hohenfurch auf den zweiten Platz verwies. Bei den Mädla Aktiv II war die Sache klarer: Hier siegte Rita Horn aus Schongau mit einer Wertung von 6/0 vor Verena Multerer aus Peiting (7/1).

Die super Stimmung während des Preisplattelns erreicht jedes Mal ihren Höhepunkt, wenn die Gruppen dran sind. Heuer stellten sich 21 Gruppen aus zwölf Lechgau-Vereinen der Wertung. Darunter eine ganz besondere: Unter dem Namen „Peiting Klassik“ traten, zehn Jahre nach ihrem letzten Auftritt, noch einmal Birgit Multerer, Annelies Schamper, Monika Pössinger, Marianne Baab, Franz Multerer, Robert Schmid, Georg Multerer und Norbert Schelle unter die Augen der Wertungsrichter. Sie waren in ihrer aktiven Zeit oft Maß aller Dinge, und sie haben offensichtlich nichts verlernt. Mit einer richtig schneidigen Vorstellung belegten sie am Ende den verdienten fünften Platz. Hinter der erstplatzierten jungen Gruppe der „Alpenrose“ Peiting, die teilweise aus Kindern der „Klassiks“ besteht, der zweitplatzierten Gruppe der „Schloßbergler“ Schongau, „Almfrieden“ Steingaden I belegte den dritten und die „Schwalbenstoaner“ Hohenfurch I den vierten Platz.

Mit schönen Preisen, leckeren Geschenkkörben und bester Laune verließen die Trachtler am frühen Abend die Schloßberghalle. Und bestimmt mit ein bisschen Vorfreude auf das nächste Preisplatteln in Schongau.

 

Frühjahrsvorplattlerprob in Rottenbuch

Ein ungewöhnlicher Termin steht bei allen Plattlern des Lechgaus heuer im Terminkalender. Diesen erläuterte Gau-Vorplattler Florian Schamper bei der diesjährigen Frühjahrs-Vorplattlerprobe in Rottenbuch.

Die Plattler wollen ins Guinessbuch der Rekorde. Und zwar am 30. Mai in Antdorf im Rahmen der Antdorfer Festwoche. Das hat sich der dortige Trachtenverein „Waxnstoaner“ ausgedacht, denn den derzeitigen Rekord halten Österreicher! Und der liegt bei 1296 Burschen, die fünf Minuten geplatteln haben. „Da können wir vom Lechgau doch die Antdorfer unterstützen“, wirbt Schamper für die Veranstaltung. Denn genug schneidige Plattler gibt es definitiv im Lechgau, und auch die Ambosspolka dürfte kein Problem sein. Die Voraussetzungen sind: Vereinstypische Tracht und man muss einigermaßen platteln können (keine Altersgrenze), denn ein Aussetzer würde den Rekord gefährden. Also keine Spaß-Teilnehmer.

Doch die findet man im Lechgau sowieso nicht, denn dort gibt es in allen Vereinen gute Plattler und Dreherinnen. Und dass dies auch die nächsten Jahre so bleibt, wird viel in die Jugendarbeit und die Platterproben investiert. Die Ergebnisse kann man beim beispielsweise am Sonntag, 5. Mai, in der Peitinger Schloßberghalle sehen, denn da treten ab 9 Uhr die Aktiven der Lechgau-Vereine zum jährlichen Preisplatteln an. Zuschauer sind herzlich willkommen.

 

Passionssingen in Rott

Innehalten, nachdenken, erkennen und genießen. Das Passionssingen des Lechgaus in der Kirche „Heilige Familie“ in Rott verdient das Prädikat: Außergewöhnlich schön.

Nach vielen Jahren gab es wieder ein Konzert in der Passionszeit im Lechgau. Und wie die Veranstalter des Trachtenvereins „D´Rottbachtaler“ Rott, und vor allem die beteiligten Musik- und Gesangsgruppen das einstündige Programm bestückten, war einfach nur wunderbar. Und das, obwohl das traditionelle Liedgut, das zur österlichen Bußzeit passt, bekanntlich keine leichte Kost ist. „Die Lieder beschreiben die Grausamkeit des Leidens und Sterbens Jesu“, führte Georg Seidenspinner die Zuhörer in der voll besetzten Kirche an das heran, was nun dargeboten werden würde. Doch sollte das Passionssingen nicht deprimieren, oder gar traurig machen: Nein. Seidenspinner verstand es, mit seinen Texten eines Gottessuchenden im fiktiven Dialog mit Jesus, das Leiden der Passion zu einem tröstlichen Erkennen des Selbst werden zu lassen. „Gerade die Passionszeit bietet uns die Möglichkeit, über unser eigenes Leben nachzudenken, auch wenn das manchmal unangenehm ist.“ Innehalten, hinschauen, aushalten und verstehen. Das legte Seidenspinner allen ans Herz. Und im Einklang mit der wunderbar ruhigen Musik gelang das auch.

Leise und getragen, aber mit drei glasklaren Stimmen und Seidenspinner an der Zither nahm der Buchwies G´sang die Suchenden mit zum Ölberg und „Vor deinem Kreuz“. Der Böbinger Männerchor beeindruckte mit ganz starken Stimmen und einer ausgezeichneten Darbietung seiner Liedauswahl, wie „Für mich nahmst du das Kreuz“ - einer der vielen Momente, die tief unter die Haut gingen. Kongenial wurden die gesanglichen Vorträge durch instrumentale ergänzt. Das Klarinettentrio der Lechgaukapelle, begleitet von Irmi Barnsteiner an der Harfe, intonierte wunderbare andächtige Weisen. Ebenso wie die Lechreiner Musikanten, die mit zwei Zithern und Gitarre automatisch dafür sorgten, dass man ganz ruhig wurde. Auch im Herzen.

Das war ein Passionssingen, wie man es besser nicht machen kann. Ein musikalischer Hochgenuss mit ganz viel Raum für eigene Gedanken. Nachhaltig.

 
 
 

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